Text-Bild-Ansicht Band 264

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Ueber die Verdampfungswerthe mit Kesseln, welche unter Ausnutzung von mageren Abfallproducten als Brennstoffe mit der Godillot'schen Feuerungsanlage erzielt wurden, liegen glaubwürdige Angaben von Verschiedenen vor: So erreichte man nach Mittheilungen von de Naeyer und Comp. in Willebroeck (Belgien) bei Verteuerung von Sägespännen mit 45 bis 52 Proc. Wassergehalt folgende specifische Verdampfungen bezieh. Verdampfungsziffern (M : B) = 2,26, 2,21 bezieh. 2,00 nach drei Versuchen. Hierbei wurden stündlich 435 bis 460k Späne verbrannt. Die wirkliche Dampfspannung im Kessel erreichte 7at,0, die Temperatur der äuſseren Luft betrug 7°, jene der abziehenden Gase etwa 85 bis 102°!

V. Gondolo berichtet über die Verwerthung sehr feuchter Späne aus Kastanien (62 Proc. Wassergehalt), welche, mit Kohle gemischt auf einem gewöhnlichen Roste verbrannt, 0k,244 Dampf auf 1k Brennstoff lieferten. Nach Einführung der Godillot's Feuerung wurde unter Ausnutzung eines „Halbröhrenkessels“ bei einer Anstrengung der Heizfläche des Kessels von AF = 10k auf 1k feuchter Späne obiger Sorte 1k,350 Dampf erzeugt; mit dem Kessel von Dulac konnte bei einer Anstrengung der Heizfläche AF = 20k eine Verdampfung von 1k,25 auf 1k Brennstoff erzielt werden. Gondolo in Nantes behauptet, daſs Godillot's Rost mit demselben Brennstoffe eine mehr als 5 fach gröſsere Verdampfung als die gewöhnliche Feuerungsanlage erreichen lieſs. S. Lauras in Paris bestätigt die erreichte Verdampfungsziffer (M : B) = 3,2 unter Verfeuerung von Holzabfällen aus Schreiner Werkstätten.

In folgender Tabelle sind weiter die Ergebnisse der von Luc und Patin in Nancy sowie von W. Meunier mit der Godillot'schen Feuerung unter Verwerthung von feuchten Eichenholzspänen (60 Proc. Wassergehalt) als Brennmaterial ausgeführten Versuche zusammengestellt, welche die Vortheile wie Vorzüge der bezeichneten Feuerungsanlage bei Ausnutzung minderwerthiger Abfallproducte erkennen lassen:

Versuch
von
Luc u. Potin

Versuche von
W. Meunier
Versuchsdauer Stunden 8,5 11 12
Gewichtsmenge feuchter Späne verbrannt k 15257 5524 14527
Gewichtsverlust in Folge 60 stündigen Trocknens % 62,3 62,3 62,2
Wassergehalt des Brennstoffes k 9505 3441 9050
Rohgewicht der Späne nach 60 stund. Trocknen k 5742 2083 5477
Speisewassergewicht k 22812 8340 21580
Temperatur des Speisewassers Grad 20,0 25,3 16,0
Gewicht des Speisewassers, berechnet auf 0° Temp. k 22170 8018 21050
Wirkliche Dampfspannung at 5,25 5,6 5,82
Verdampfungsziffer für feuchte Späne M : B 1,453 1,450 1,150
„ „ getrocknete Späne M : B 3,861 3,840 3,840
Brennstoff, verbrannt auf 1qm Heizfläche B : F 8,970 2,500 6,000
Dampf, stündlich erzeugt auf 1qm Heizfläche M : F 13,041 3,600 8,750
Temperatur der abziehenden Rauchgase Grad 127 117 177

Nach dem von Compère, Director der Gesellschaft von Dampfkessel-Eigentümern in Paris, gefertigten Versuchsprotokoll vom 4. März 1886 wurde mit 1k Hanfabfall (29,5 Proc. Wassergehalt) eine 2,7 fache Verdampfung erzielt; während des 8 stündigen Versuches mit einem Dampfkessel von 82qm Heizfläche erreichte durchschnittlich die Dampfspannung im Kessel 5at, die Temperatur der abziehenden Rauchgase 120°, die Temperatur im Feuerraume, gemessen mit dem Salleron'schen Calorimeter, 1470°, endlich der Wirkungsgrad der Kesselanlage η = 0,80.

Anläſslich der Ausstellung zu Antwerpen 1885 wurde endlich eine Probe mit der mit der Feuerungsanlage nach Godillot unter Aufsicht der Abgeordneten des Industrie-Comité Vincotte und D'Welschauvers-Dery bei Verbrennung von Lohe und Holzabfällen für den Betrieb eines Dampfkessels nach System de Naeyer aurengeführt. Die chemische Zusammensetzung des Brennstoffes im ursprünglichen Zustande wurde festgestellt mit: Kohlenstoff (fest) 13,18, flüchtige Stoffe