Text-Bild-Ansicht Band 263

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durch das Beregnen hauptsächlich in der Keimfähigkeit geschädigt wird; denn es keimten z.B. von der normalen Gerste 98 Proc., von der begegneten aber nur 45 Proc. Die chemische Untersuchung ergab, daſs durch das Beregnen und Auswachsen eine Zunahme der in Wasser löslichen Bestandtheile stattfindet, während der Gehalt an Stärkemehl abnimmt, und endlich, daſs gerade auch die Stickstoffhaltigen Stoffe eine tief eingreifende Veränderung erleiden, indem eine nicht unbeträchtliche Abnahme sowohl an löslichem wie unlöslichem Eiweiſs, dagegen eine sehr erhebliche Zunahme an amidartigen Verbindungen nachgewiesen wurde. Alle diese Beobachtungen finden eine Bestätigung durch neuere Untersuchungen von Fr. Farsky, mitgetheilt im 5. Berichte über die Thätigkeit der landwirthschaftlich-chemischen Versuchsstation in Tabor (1886). Verfasser benutzte reif geschnittene Probsteier Gerste, von welcher ein Theil trocken eingefahren war, während ein anderer 8 Tage bei Regenwetter auf dem Acker ausgebreitet lag. Die gesunden Körner ergaben eine Keimfähigkeit von 98 Proc., die beregneten und zum Theile ausgewachsenen nur von 45 Proc. Die chemische Untersuchung ergab an in Wasser löslichen Bestandtheilen bei der normalen Gerste 8,40 Proc., bei der beregneten 13,99 Proc.Eine bedeutende Zunahme zeigte der Gehalt an Maltose, nämlich 1,56 bezieh. 4,27 Proc. Bei den Stickstoff haltigen Stoffen trat besonders eine bedeutende Zunahme des Amidstickstoffes hervor; derselbe betrug, auf Gesammtstickstoff bezogen, bei der normalen Gerste 1,5 Proc., bei der beregneten 20,0 Proc.Das lösliche Eiweiſs hatte eine Abnahme von 4,52 auf 2,77 Procent des Gesammtstickstoffes erfahren, ebenso die unlöslichen Eiweiſsstoffe, in welcher Form vom Gesammtstickstoff in der normalen Gerste 93,33, in der beregneten 76,69 Proc.vorhanden waren.

Im Anschlusse an diese Versuche berichtet Farsky an derselben Stelle über weitere Arbeiten, welche die Frage entscheiden sollten, wodurch sich ausgewachsene Gerste von Normalmalz unterscheidet. Die Untersuchung wurde mit gut entwickelter Chevalier-Gerste ausgeführt, von welcher ein Theil unberegnet, ein anderer während des Regens eingefahren war, während ein dritter Theil durch Besprengen mit Wasser zum Auswachsen gebracht wurde. Es wurde nun aus den so gewonnenen Gersten sowohl Grünmalz, wie Darrmalz dargestellt und sämmtliche Proben wurden einer eingehenden Prüfung unterzogen, welche sich auf eine Trennung der verschiedenen Stickstoffverbindungen sowie auch der Glieder der Kohlehydratgruppe erstreckte. Aus den analytischen Wahlen ergibt sich Folgendes.

Beim Beregnen der Gerste findet ein Verlust an Stickstoff haltigen Bestandtheilen statt, während beim üblichen Einweichen der Gerste ein solcher Verlust gar nicht oder doch nur in sehr geringem Grade auftrat. Durch das Beregnen fand eine Zunahme an Ammoniakstickstoff statt, bei der Malzerzeugung ist dies nicht der Fall. Durch das Beregnen