Text-Bild-Ansicht Band 261

Bild:
<< vorherige Seite

Neuerungen in der Gespinnstfabrikation; von Hugo Fischer.

(Patentklasse 76. Fortsetzung des Berichtes Bd. 260 S. 369.)

Mit Abbildungen auf Tafel 4.

6 c) Absetzend spinnende Maschinen.

Die Geschwindigkeit des ausfahrenden Wagens und damit auch die Lieferungsfähigkeit des Selfactors ist bekanntlich von der Festigkeit der in der Herstellung begriffenen Fäden bedingt; sie ist während der Ausgabe des Fadens durch die Streckwalzen constant und nahezu gleich der Austrittsgeschwindigkeit; eine Fadenverstreckung kann daher in diesem ersten Theile der Wagenausfahrt nur in geringem Maſse erfolgen. Erst nachdem durch die gleichzeitig stattfindende Spindeldrehung eine gewisse Festigung des ausgegebenen Vorgespinnstes erfolgt und die Ausgabecylinder abgestellt sind, findet unter Fortsetzung der Fadenfestigung die eigentliche Verstreckung der ausgetretenen Fadenlänge statt. Hierbei bewegt sich der Wagen mit abnehmender Geschwindigkeit bis an das Ende seines Weges. Während dieses letzten Theiles der Wagen ausfahrt, sowie durch das der Beendigung desselben folgende Nachdrehen wird die Fadendrehung vollendet. Die Erhöhung der Festigkeit des Fadens durch vermehrte Drahtgebung während der Ausfahrt des Wagens, sowie namentlich eine Abkürzung der auf das Nachdrehen verwendeten Zeit, muſs demnach eine Vermehrung der Garnerzeugung zur Folge haben. Dies zuerst erkannt und durch geeignete Einrichtungen praktisch ermöglicht zu haben, ist eines der vielen Verdienste Richard Barimanns in Chemnitz (jetzt Sächsische Maschinenfabrik), welcher am 16. Juni 1863 im Königreich Sachsen ein Patent (Nr. 1595) auf einen die diesbezüglichen Einrichtungen enthaltenden Streichgarnselfactor erhielt.1) Dem Vorgange Hartmann's folgten bald andere Spinnereimaschinenfabriken und es entstand eine Anzahl Mechanismen zur Hervorbringung verschiedener Spindelgeschwindigkeiten während des Wagenauszuges. Auch die vorliegenden Patentschriften betreffen mehrere Neuconstructionen solcher Einrichtungen.

Antrieb für Streichgarnselfactoren zur Erzielung dreifacher, von der Wagenbewegung unabhängiger Spindelgeschwindigkeit von J. Steiner in Chemnitz (* D. R. P. Nr. 15455 vom 22. August 1880). Dieser Anordnung eigenthümlich ist die Benutzung eines Umlaufgetriebes und eines Radgesperres zur Erzeugung der ersten und zweiten Spindelgeschwindigkeit. In Fig. 4 Taf. 4 bezeichnet a die Antriebwelle, mit welcher der kleine Twistwürtel t und die Drehbolzen für die Differentialräder r1, r2 fest verbunden sind. Lose auf dieser Welle stecken die Riemenscheiben I, II und III; im Inneren von I und II angegossene Kegelräder stehen mit den Rädern r1, r2 in Eingriff und vervollständigen das Umlaufgetriebe.

1)

Vgl. auch 1872 204 * 113. 1873 210 326. 1875 217 * 180.