Text-Bild-Ansicht Band 261

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gehalten. Nach etwa 24 Stunden ist der Prozeſs beendigt. Zur Entfernung überschüssigen Paratoluidins läſst man Dampf einströmen, rührt nach beendigtem Abblasen die Schmelze mit so viel concentrirter Salzsäure zusammen, daſs sie sich vollständig vertheüen kann, und gieſst hierauf in viel kaltes Wasser, wodurch sich das neue Thioparatoluidin vollständig als schwefelgelbes Pulver abscheidet, während das neben demselben entstandene bekannte Thioparatoluidin, sowie Verunreinigungen gelöst bleiben.

Das neue Thioparatoluidin ist in Wasser nahezu unlöslich; in heiſsem Alkohol löst es sich ziemlich gut und krystallisirt daraus in goldglänzenden gelben Schüppchen; sein Schmelzpunkt liegt bei 175° (unberichtigt), der Schwefelgehalt stimmt auf die Formel (C7H6NH2)2S. Die gelbe alkoholische Lösung fluorescirt grün.

Die zur Diazotirung nöthige Menge salpetrigsauren Natriums entspricht einer Amidogruppe, so daſs die aus der Diazoverbindung hergestellten Farbstoffe einfache Azoverbindungen sind.

Die Farbstoffe, welche mit den Monosulfosäuren der Naphtole und Naphtylamine erhalten werden können, sind schwer löslich in Wasser; dagegen lösen sich die aus den Disulfosäuren ziemlich leicht, sie gehen sehr langsam an die Wolle und bringen waschechte Farben darauf hervor. Die Diazoverbindung dieses neuen Thioparatoluidins liefert mit den α-Naphtolsulfosäuren braun bis braunviolett, mit den β-Naphtolsulfosäuren scharlach bis blauroth färbende Azoverbindungen. Durch Einwirkung auf die Naphtylaminsulfosäuren entstehen sehr schwer lösliche braune und orange Azoverbindungen.

Zur Darstellung eines blauroth färbenden Azofarbstoffes werden 40k des ganz fein gemahlenen Thioparatoluidins mit 60k gewöhnlicher Salzsäure zusammengerührt, nachher mit Eis versetzt, mit Wasser auf 400l verdünnt und durch allmählichen Zusatz von 13k salpetrigsauren Natrons bei einer 5° nicht übersteigenden Temperatur diazotirt. Die entstandene Diazoverbindung läſst man nach mehrstündigem Umrühren zu einer ebenfalls auf 5° abgekühlten, mit 73k 33°-Natronlauge versetzten Auflösung von 65k β-Naphtol-A-disulfosauren Natrons in 1000l Wasser einflieſsen. Der sich sofort bildende Azofarbstoff wird durch Zusatz von Kochsalz ausgefällt und in üblicher Weise gereinigt. Ein brauner Farbstoff wird erhalten, wenn 40k Thioparatoluidin diazotirt und nachher langsam zu einer mit Eis gekühlten Auflösung von 40k naphtionsauren und 30k essigsauren Natrons gegeben werden. Da die Bildung des Farbstoffes langsam vor sich geht, so läſst man einige Tage stehen und filtrirt nachher ab. Durch Behandeln des Rückstandes mit Soda erhält man das in Wasser lösliche Natronsalz.

Die wichtigsten dieser Farbstoffe dürften die mittels der β-Naphtoldisulfosäuren gewonnenen sein.

[Kleinere Mittheilungen.]

H. Aron's inductionsfreie Elektromagnetspulen.

Um die in den Windungen von Elektromagnetspulen bei Stromunterbrechung durch den verschwindenden Strom und den verschwindenden Magnetismus auftretenden Inductionsstöſse herabzumindern, erzeugt H. Aron in Berlin (* D. R. P. Kl. 21 Nr. 34182 vom 5. April 1885) innerhalb der Spulen Schlieſsungskreise