Text-Bild-Ansicht Band 261

Bild:
<< vorherige Seite

Da die Versuche mit dem neuen Apparatsystem in der Deutschen Reichs-Telegraphenverwaltung günstige Ergebnisse geliefert haben und deshalb die theilweise Einführung desselben bereits erfolgt ist, so mag im Nachstehenden eine Beschreibung des von dem Erfinder angenommenen Modelles für den Empfangsapparat und die Doppeltaste nach Armengaud's Publication industrielle, Bd. 30 * S. 49 folgen und im Anschlusse daran auf die bei Einführung des Apparates in Deutschland getroffenen Aenderungen hingewiesen werden.

Das Laufwerk des Empfängers ist, wenn von der Regulirbarkeit der Laufgeschwindigkeit abgesehen wird, von der des gewöhnlichen Morse'schen Empfängers französischer Ausführung nicht verschieden; ebenso ist die Papierführung im Wesentlichen beibehalten. Neu und eigenartig sind an dem Empfänger die in Fig. 1 bis 4 dargestellten, an der vorderen Wange des Laufwerkkastens liegenden schreibenden Theile mit der Stellvorrichtung des Farbkastens und die in Fig. 5 gezeichneten, an der Rückwand des Kastens liegenden elektromagnetischen Theile mit der eigenthümlichen Polarisationsvorrichtung.

Während bei der ursprünglichen Ausführung des Empfängers und zwar sowohl bei dem Modell Breguet, wie bei dem von Postel-Vinay, zur Herstellung des ganzen Striches die gleichzeitige Wirkung beider neben einander liegenden Schreibfedern in Anspruch genommen wurde, schreibt bei dem neuen Modelle jede der beiden Federn von der anderen unabhängig das ihr zukommende Zeichen. Die Federn sind dazu jetzt nicht mehr seitlich neben einander gelagert, sich in ihrer ganzen Breite zur Länge des Strichzeichens ergänzend; sie liegen vielmehr, um ihren Aufhängungspunkt beweglich, in der Ruhelage des Empfangsapparates mit der Breitseite an einander, sich auf die sie zum Schreiben gegen den Papierstreifen heran bewegende Gabel N stützend und durch ihre genau abgeglichene Schwere in der Gleichgewichtslage haltend. Ihrer Bestimmung entsprechend hat die linke Feder, die Punktfeder, an ihrer Schreibseite die Breite des Halbstriches, die rechte, die Strichfeder, dagegen die des ganzen Striches. Wird die linke Feder durch den sogleich zu erörternden Schreibmechanismus gehoben, so tritt die rechte entsprechend zurück und umgekehrt.

Zur eigentlichen Schreibvorrichtung sind die in Fig. 6 bis 9 dargestellten Schreibfedern J mit den zugehörigen Schreibhebeln K zu rechnen. Jede Schreibfeder besteht aus zwei durch ein Gelenk j mit einander verbundenen Flügeln J1 und J2, welche in schreibfertigem Zustande durch eine an J2 angenietete Blattfeder j1 zusammengehalten werden2) . Um die Feder schreibfertig zu machen, werden die beiden Flügel durch einen auf die etwas vorstehenden Ränder derselben ausgeübten Druck geöffnet, wonächst man einen Streifen sämisch bearbeiteten

2)

In den Zeichnungen sind die Unterscheidungsziffern der Buchstaben als Exponenten hochstehend eingesetzt.