Text-Bild-Ansicht Band 261

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beide Stangen mittels eines – zwei Contactfedern an einem gemeinschaftlichen, beim Loslassen durch eine Feder emporgeschnellten Querstücke enthaltenden – Stromunterbrechers gleichzeitig losgelassen, so empfängt die Stange den Einschnitt nahe am unteren Ende. Je näher der Einschnitt diesem Ende liegt, desto gröſser ist die Geschwindigkeit des Geschosses. Nahe über O wird die schon erwähnte röhrenförmige Hülse angebracht, welche die fallende kleine Stange aufnimmt, in welcher aber diese Stange fallen kann, ohne die Röhre oder Hülse zu berühren. Soll der Apparat als sogen. Velocimeter dienen, wobei die beiden Scheiben verhältniſsmäſsig weit von einander entfernt sind, so wird der Elektromagnet für die kleine Stange an dem Ständer tief unter der Stelle angeschraubt, an welcher der Elektromagnet für die längere befestigt ist. Die lange Stange empfängt den Einschnitt dabei nahe am oberen Ende und zu einer Zeit, wo sie mit der gröſsten Geschwindigkeit fällt; kleinen Zeitunterschieden entsprechen also groſse Unterschiede in den Fallräumen.4) Soll dagegen das Instrument als Mikrochronometer zur Messung sehr kleiner Zeiten benutzt werden, so bringt man den Elektromagnet für die kleine Stange oberhalb des Elektromagnetes der groſsen an und verbindet letzteren mit der zweiten Scheibe; die längere Stange beginnt daher später als die kleine zu fallen und, wenn die kürzere auf O ankommt, so macht das Kreismesser den Einschnitt in die obere Zinkröhre, d.h. wenn die längere Stange ihre gröſste Geschwindigkeit besitzt, so daſs also sehr kleine Zeiten genau gemessen werden können.

Solvay's Apparat zur Erzeugung hoher Temperaturen.

Mit Abbildung auf Tafel 17.

E. Solvay in Brüssel (Englisches Patent 1885 Nr. 13466) will hohe Temperaturen durch Aufspeicherung der beim Zusammendrücken von Gasen entstehenden Wärme erzeugen. Einen zu diesem Zwecke vorgeschlagenen

4)

Eine theoretische Formel, nach welcher die Flugzeit des Geschosses zwischen den beiden Scheiben aus den einzelnen Zeiten, welche zu den vom Geschosse bezieh. den Stangen, dem Hebel T und dem Kreismesser gemachten Bewegungen gehörten, und der Dauer des remanenten Magnetismus bestimmt wird, gibt H. Lehmann in Karlsruhe in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1885 * S. 484. Daselbst wird u.a. angegeben, daſs die Bewickelung der Drahtscheiben aus Kupferdraht von 0mm,5 Dicke bestehe und ebensolcher Draht auch an der Gewehrmündung befestigt werde. Für Gewehrkugeln könne die Bewickelung nicht dicht genug gemacht werden und deshalb würde da eine pendelnd aufgehängte Scheibe angewendet, welche beim Anschlagen der Kugel einen bis dahin von ihr geschlossen gehaltenen Contact öffne und später selbstthätig wieder schlieſse. Als Scheibe nehme man meistens Eisenplatten von 8 bis 10mm Dicke; an diesen prallen die Weichbleigeschosse wirkungslos ab. Will man mit härteren Geschossen, z.B. Compoundgeschossen, Versuche machen, so nehme man vortheilhafter Blecli von 4 bis 5mm, weil dieses so platt durchgeschlagen wird, daſs sich die Scheibe nicht krümmt oder verzieht, was bei dickerem Bleche sehr bald Störungen verursache.