Text-Bild-Ansicht Band 261

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der Hauptsache nach darin, daſs Roheisen mit nahezu 1,5 Proc. Silicium und 2 Proc. Phosphor in einer mit sauren feuerfesten Materialien ausgefütterten Birne entsilicirt und entkohlt wird, worauf dieses Zwischenproduct in einer zweiten, tiefer stehenden, mit basischen feuerfesten Materialien ausgefütterten Birne entphosphort wird.

Dieses Verfahren des Uebergieſsens ist an und für sich nicht neu (vgl. Osann 1878 230 511. Parmet 1879 234 312. Harmet 1880 238 422); schon Thomas versuchte dasselbe und es wurde früher auch in Witkowitz (vgl. 1879 234 401) versuchsweise ausgeführt. Da die Einrichtungen damals nur vorübergehend getroffen waren, gab das Umgieſsen zu manchen Unannehmlichkeiten Veranlassung und man zog es vor, Roheisensorten, welche ärmer an Silicium und reicher an Phosphor waren, zu erzeugen und zu verarbeiten.

In Hollerich bedient man sich zweier Windfrischöfen nach dem Systeme Walrand, welche auf zwei verschieden hoch gelegenen Hüttensohlen aufgestellt sind, um das Umgieſsen aus der höher gelegenen, mit saurem Futter zugestellten Birne in die tiefer liegende, mit basischem Futter ausgefütterte Birne bewerkstelligen zu können. Man muſs sich jedoch zur Vermittlung des Umgieſsens einer zwischen beiden Birnen eingeschalteten, mit Bodenventil versehenen Gieſspfanne bedienen, um das Uebergieſsen von sauren Schlacken in die basische Birne möglichst zu verhindern.

Bei der im Baue begriffenen neuen Einrichtung soll die sauer zugestellte Birne mit einer Stichöffhung versehen werden, um die Einschaltung der Gieſspfanne zu umgehen und die sauere Schlacke nach Abfluſs des entkohlten und entsilicirten Metalles in der Birne, aus welchem sie dann besonders ausgegossen werden kann, zurückzuhalten. Das Abstechen des entkohlten und entsilicirten Zwischenproductes hat in diesem Falle nicht die unangenehmen Folgen, welche sich z.B. bei den alten schwedischen Oefen bemerkbar machten, weil ein zu zeitiger oder zu später Abstich des Zwischenproductes keinen nennenswerthen Einfluſs auf die Beschaffenheit des Endproductes auszuüben vermag.

Da man bei dieser Anordnung möglichst wenig Zeit und Wärme verliert, hofft man Roheisensorten, welche nur einen mittleren Gehalt an Silicium und Phosphor besitzen, leicht aufarbeiten zu können. Für die bei den durchgeführten Versuchen verwendete Einrichtung wählte man Birnen nach dem Systeme Ch. Walrand mit seitlich angebrachter Windeinströmung, weil diese Anordnung sich zu Stenay (Departement des Ardennes) besser als jene von Clapp-Griffiths bewährte und ebenso die Anwendung eines weniger stark gepreſsten Windes ermöglicht.

Die Birnen haben bei 86cm Durchmesser einen Fassungsraum für 2000k Roheisen und die erste Birne ist mit gewöhnlichen feuerfesten Ziegeln, die zweite Birne mit Magnesitmasse aus sehr reinem, gut gebranntem Magnesit aus Steiermark zugestellt. Die Thondüsen werden