Text-Bild-Ansicht Band 261

Bild:
<< vorherige Seite

und Stickstoff finden sich dann gegen Ende des Verfahrens nur noch in sehr geringen Mengen vor im Vergleiche zu der beträchtlichen Menge, welche vor der Bildung der Oxyde während der Entkohlung vorhanden war.

Für jedes Roheisen ergibt die Praxis die geringste Dauer für das Blasen, um in jedem Falle in dem flüssigen Eisen die erforderliche Menge Oxyd zu lösen und die Mengen der Verbindungen des Eisens mit Wasserstoff und Sauerstoff möglichst herab zu ziehen. Das dergestalt überoxydirte und von Wasserstoff und Stickstoff befreite Eisen bringt man nun aus der Birne in den Flammofen mit saurem Futter. In diesem Ofen muſs die erreichbar höchste Temperatur entwickelt werden und es muſs derselbe eine angemessene Menge flüssiger, an Silicium sehr reicher Eisenschlacke enthalten, welche genügend sauer ist, um einen Theil der in der flüssigen Masse enthaltenen Oxyde oder die Kalk haltigen Schlacken zu zersetzen, die beim Einbringen des flüssigen Eisens in den Ofen mit übergeführt wurden. Man bedient sich am besten hierzu einer Gieſspfanne, um nach Belieben das Ueberführen der Schlacke aus der Birne in den Ofen mit saurem Futter unterbrechen zu können. Diese Vorsichtsmaſsregel ist bei der Erzeugung von basischem Eisen wegen der sonst eintretenden Wiedereinführung des Phosphors zu beachten: sie ist bei dem sauren Bessemerprozesse weniger wichtig.

Das ganze Verfahren muſs auf alle Fälle so schnell wie möglich ausgeführt werden, damit die in der Birne erhaltene Temperatur des flüssigen Eisens nicht wesentlich sinkt und damit es nur möglichst kurze Zeit mit der stets mit mehr oder weniger Wasserdampf erfüllten atmosphärischen Luft in Berührung bleibt. Befindet sich das Eisen erst im Ofen, so ist es gegen Kohlenwasserstoffe und die Flamme durch die Silicium haltige flüssige Schlackendecke geschützt und die Erfahrung lehrt, daſs unter diesen Umständen eine nennenswerthe Aufnahme von Wasserstoff und Stickstoff nicht eintritt. Während oder nach der Rückkohlung des Eisens im Ofen mit saurem Futter ist wahrscheinlich eine solche Aufnahme auch nicht zu befürchten. Die Rückkohlung geschieht in der bekannten Weise durch ein Silicium und Kohlenstoff enthaltendes Roheisen, so lange Oxyd im Metallbade in Lösung verbleibt; man vollendet dann die Entkohlung durch Einführen von Spiegeleisen oder Ferromangan. Unumgänglich nöthig ist es, daſs sich im Anfange Kohlenoxyd bildet, so daſs die ganze Masse durchgearbeitet wird und die saure Schlacke das ganze Bad durchdringen kann, alle sonst schwer löslichen Kalk haltigen Schlacken zersetzt werden und das Entweichen des noch verbliebenen Wasserstoffes und Stickstoffes mechanisch befördert wird. Endlich setzt man Spiegeleisen oder Ferromangan zu, um dadurch die bekannten Erleichterungen für das Walzen u. dgl. zu schaffen.

Nach diesem Verfahren soll man Fluſseisenblöcke erhalten, welche, selbst wenn sie in die kleinsten Formen eingegossen worden, völlig