Text-Bild-Ansicht Band 261

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braunen Strich gibt (Härtungskohle), während ungehärteter Stahl bei gleicher Behandlung einen ins Blaue ziehenden Ueberzug von Kohle erhält, welcher einen schwarzgrauen Strich gibt und krystallinisch zu sein scheint, da er, in Wasser eingeschlämmt, im Sonnenlichte glitzert. Diese beiden Kohlearten enthalten nicht unbedeutend oxydirtes Eisen und es ist vielleicht möglich, wenn auch nicht wahrscheinlich, daſs ihr einziger Unterschied auf die ungleiche Menge desselben zurückzuführen ist. Manchmal kann jedoch der Stahl auch so behandelt sein, daſs keine der beiden Kohlesorten vorwiegend hervortritt, vielmehr nur eine Mischung beider in Erscheinung tritt.

Behufs Erkennung der Krystallisation wurde der fein polirte Stahl 12 bis 14 Stunden lang mit stark verdünnter Salpetersäure (1 Säure auf 200 bis 300 Wasser) behandelt.

Zunächst wurden die Wärmeerscheinungen beim Abkühlen von Eisen und Stahl untersucht und dann Glüh- und Härtungsversuche durchgeführt.

Stahl erkaltet in der ersten Periode der Abkühlung rascher als das Eisen, während später das Entgegengesetzte stattfindet. Brinell sucht dies, wie folgt, zu erklären: Während der Abkühlung bilden sich Krystalle beim Stahl wie beim Eisen; diese Krystallisation ist eine Arbeit, für welche, wie bei jeder anderen, Wärme verbraucht wird. Der Stahl besitzt auch im erhitzten Zustande gröſsere Festigkeit als Eisen und krystallisirt nach höherer Erhitzung mehr als dieses, ausgenommen vielleicht hoch Phosphor haltiges; es folgt daraus, daſs bei Krystallisation des Stahles mehr Arbeit oder Wärme verbraucht wird als bei der des Eisens und dieses dürfte die Ursache sein, weshalb Stahl anfänglich schneller erkaltet.

Daſs der Stahl in einer späteren Periode der Abkühlung nicht nur gleichwarm wird mit dem Eisen, sondern sogar bemerkenswerth wärmer, beruht wieder hauptsächlich auf der beim Uebergange der Kohle aus Härtungskohle in Cementkohle frei werdenden Wärme, aber auch zum Theile darauf, daſs bei diesem Uebergange, wie allgemein, wenn die Kohle ihren Zustand zu ändern beginnt, beim Stahle sich eine Geneigtheit findet, seine Krystallisation aufzugeben. Gleichzeitig muſs damit ein Theil der Wärme wieder gewonnen werden, die in der früheren Periode der Abkühlung bei der Krystallisation verbraucht wurde.

Bei den Glüh- und Härtungsversuchen lag weniger die Absicht vor, die verschiedenen Behandlungsarten zu ermitteln, denen Stahl verschiedenen Kohlegehaltes unterzogen werden muſs, um eine bestimmte Textur zu erhalten, als vielmehr die Erforschung der Gesetze, welchen ein und derselbe Stahl bei seinen oft recht launenhaften Texturveränderungen folgt; deshalb sind alle in Rede stehenden 82 Versuche mit Stahl aus einem und demselben Bessemerblock folgender Zusammensetzung ausgeführt: Kohlenstoff 0,52, Silicium 0,13, Phosphor 0,026, Schwefel kaum Spuren, Mangan 0,48.