Text-Bild-Ansicht Band 261

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Beobachtungszeit durchaus keine Verkrümmungen oder Kantenrisse zeigen darf.

Zur Ausführung der Darrprobe wird der reine Cement mit Wasser zu einem Breie von der in den Erläuterungen zu II angegebenen Consistenz angemacht. Es werden daraus auf einer ebenen, mit Flieſspapier belegten, undurchlässigen Platte Kuchen von 8 bis 10cm Durchmesser und etwa lern Dicke hergestellt. Zwei dieser Kuchen, welche zur Vermeidung von Schwindrissen vor Austrocknung zu schützen sind, werden nach 24 Stunden, jedenfalls aber erst nach erfolgtem Abbinden, mit ihren ebenen Flächen auf einer Metallplatte ruhend, einer Temperatur von 110 bis 120° ausgesetzt, bis keine Wasserdämpfe mehr entweichen, mindestens 1 Stunde lang. Zweckmäſsig werden hierzu die in chemischen Laboratorien gebräuchlichen Trockenschränke benutzt.

Zeigen die Kuchen nach dieser Behandlung keine Kantenrisse, so ist der Cement im Allgemeinen als volumbeständig zu betrachten, im anderen Falle aber nicht zu verwerfen, sondern es ist erst das Ergebniſs der entscheidenden Probe mit auf Glasplatten unter Wasser erhärtenden Kuchen abzuwarten. Es muſs jedoch bemerkt werden, daſs die Darrprobe bei Cementen, welche mehr als 3 Proc. Gyps (schwefelsauren Kalk) oder sonstige Schwefelverbindungen enthalten, einen sicheren Schluſs auf Volumbeständigkeit nicht gestattet.

Zur Ausführung der entscheidenden Probe wird der zur Bestimmung der Bindezeit angefertigte Kuchen bei langsam bindendem Cement nach 24 Stunden, jedenfalls aber erst nach erfolgtem Abbinden, unter Wasser gelegt. Bei rasch bindendem Cement kann dies schon nach kürzerer Frist geschehen. Die Kuchen, namentlich von langsam bindendem Cement, müssen bis nach erfolgtem Abbinden vor Zugluft und Sonnenschein geschützt werden, am besten durch Aufbewahren in einem bedeckten Kasten oder auch unter nassen Tüchern. Es wird hierdurch die Entstehung von Schwindrissen vermieden, welche in der Regel in der Mitte des Kuchens entstehen und von Unkundigen für Treibrisse gehalten werden können.

Zeigen sich bei der Erhärtung unter Wasser Verkrümmungen oder Kantenrisse, so deutet dies unzweifelhaft „Treiben“ des Cementes an, d.h. es findet in Folge einer Volumenvermehrung ein Zerklüften des Cementes unter allmählicher Lockerung des zuerst gewonnenen Zusammenhanges statt, welches bis zu gänzlichem Zerfallen des Cementes führen kann.

Die Erscheinungen des Treibens zeigen sich an den Kuchen in der Regel bereits nach 3 Tagen; jedenfalls genügt eine Beobachtung bis zu 28 Tagen.

IV) Feinheit der Mahlung: Portlandcement soll so fein gemahlen sein, daſs eine Probe desselben auf einem Siebe von 900 Maschen auf 1qc höchstens 10 Proc. Rückstand hinterläſst. Die Drahtstärke des Siebes soll die Hälfte der Maschen weite betragen. Zu jeder Siebprobe sind 100g Cement zu verwenden.

Da Cement fast nur mit Sand, in vielen Fällen sogar mit hohem Sandzusatze verarbeitet wird, die Festigkeit eines Mörtels aber um so gröſser ist, je feiner der dazu verwendete Cement gemahlen war (weil dann mehr Theile des Cementes zur Wirkung kommen), so ist die feine Mahlung des Cementes von nicht zu unterschätzendem Werthe. Es scheint daher angezeigt, die Feinheit des Kornes durch ein feines Sieb von obiger Maschenweite einheitlich zu prüfen.

Es wäre indessen irrig, wollte man aus der feinen Mahlung allein auf die Güte eines Cementes schlieſsen, da geringe weiche Cemente weit eher sehr fein gemahlen vorkommen als gute scharf gebrannte; letztere aber werden selbst bei gröberer Mahlung doch in der Regel eine höhere Bindekraft aufweisen als die ersteren. Soll der Cement mit Kalk gemischt verarbeitet werden, so empfiehlt es sich, hart gebrannte Cemente von einer sehr feinen Mahlung zu verwenden, deren höhere Herstellungskosten durch wesentliche Verbesserung des Mörtels ausgeglichen werden.

V) Festigkeitsproben: Die Bindekraft von Portlandcement soll durch