Text-Bild-Ansicht Band 261

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vom Strome mit durchlaufenen Solenoids erreicht, dessen Kern am unteren Kohlenhalter befestigt und mit steilem Gewinde versehen ist, wo derselbe, wenn er in das Solenoid herunter gezogen wird, der Kohle eine schraubenförmige Drehung ertheilt. Die nämliche Wirkung kann bei Lampen mit festem Brennpunkte mittels einer Schnurrolle mit den üblichen zwei Hohlkehlen erzielt werden, welche an einem um Zapfen drehbaren Hebel befestigt ist, bei Berührung der Kohlen von einem mit dickem Drahte bewickelten Elektromagnete um ihre Zapfen nach unten gedreht wird und den unteren Kohlenhalter niedergehen läſst, während der obere durch den Druckklotz fest gehalten wird.

Ueber die Gewinnung von Zellstoff für Papier.1)

(Patentklasse 55. Fortsetzung des Berichtes Bd. 258 S. 312.)

Mit Abbildungen auf Tafel 25.

In einem Vortrage über die Verwendung von Holz zur Herstellung von Papierstoff behandelte T. A. Reid (Journal of the Society of Chemical Industrie, 1886 S. 273) hauptsächlich das Natronverfahren.

Die Eignung der verschiedenen Holzarten wurde durch folgende Erfahrungswerthe gekennzeichnet:2)

Zellstoff Faserlänge
Buche 38,5 Proc. kurz
Birke 42,0
Hemlocktanne 37,5 lang
Pappel 41,0 mittel
Fichte 39,0 lang
Tanne 38,0

Nach Reid's Erfahrung soll das Kochen des Holzes mit einer Lauge von 20 Procent des Holztrockengewichtes Gehalt an 70 procentigem Aetznatron bei einer Dampfspannung von 8at, entsprechend einer Temperatur von 171°, günstige Ergebnisse liefern. Nach etwa 2 stündigem Kochen unter dieser Spannung wird die Lauge abgelassen und der Kocher mit heiſsem Wasser gefüllt. Die aufgelösten Holzstückchen läſst man dann mit der Flüssigkeit des Kochers in hölzerne Absetzgefäſse ab und wäscht darauf den Stoff aus.

Zur Wiedergewinnung des Natrons aus den Abfallaugen soll nur die erste Lauge verwendet werden, welche 1,09 bis 1,1 sp. G. besitzt und etwa 90 Procent der ursprünglich benutzten Soda enthält. Die Lauge wird abgedampft (vgl. * S. 260 d. Bd.) und dann geröstet, um die organischen Bestandtheile zu verbrennen. Man erhält eine Soda von etwa 85 Proc. Gehalt an Na2CO3 (50 bis 53 Proc. Natron), welche noch etwas Natriumsulfat und Sulfit enthält. Diese Soda wird zu einer Lauge von 1,1 sp. G. gelöst und mit Kalk kausticirt. Auf diese Weise gehen allerdings die organischen Bestandtheile der Lauge für eine Verwerthung (vgl. 1885 258 334. 1886 261 275) verloren. Besser wäre wohl eine Destillation der abgedampften Masse in Retorten, wobei Essigsäure u. dgl. gewonnen werden könnten. Im Durchschnitte werden aus den Laugen etwa 80 Procent des benutzten Alkalis wiedergewonnen, was die Kosten für dasselbe um etwa 50 Proc. verringert.

1)

Ueber die Darstellung von Holzzellstoff auf chemischem Wege hat Prof. E. Hoyer eine ausführliche Uebersichtsabhandlung im Bayerischen Industrie- und Gewerbeblatt, Vierteljahrschrift 1885 * S. 53 ff. veröffentlicht. (Vgl. auch Papier-Zeitung, 1885 * S. 1262 ff. Glaser's Annalen, 1885 Bd. 17 * S. 191 ff.)

2)

Vgl. auch G. Hofmann: Papierfabrikation, 1875 S. 520.