Text-Bild-Ansicht Band 261

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so lange eingepreſst werden, bis ein Druck von wenigstens 2at erreicht ist. Dann erst wird entweder Dampf oder Dampf mit Schwefligsäure gemischt unter einer Temperatur über Siedehitze längere Zeit eingeleitet, bis die Spannung etwa 3 bis 5at erreicht hat. Hierdurch erfolgt zunächst Auflösung des Holzes, dann Bleichen der Faser. Der Stoff wird weiſs, enthält keine harten Bestandtheile und kann weiter verarbeitet werden, ohne einen Knotenfänger zu gebrauchen. Der Kochprozeſs dauert etwa 14 bis 18 Stunden; doch kann derselbe bei niedrigem Drucke bis auf 36 Stunden verlängert werden. Zur Ausführung des Verfahrens werden wie vorher zwei oder mehrere zusammenarbeitende Kocher benutzt; bei hartem Holze werden Drehkocher empfohlen.

Zur Herstellung von Zellstoff nach dem Sulfit- oder nach dem Natronverfahren benutzen J. D. Tompkins in Nassau, J. Arkell in Canajoharie und Ch. Wetherwax in Albany (Nordamerikanisches Patent Nr. 340640) einen stehenden cylindrischen, oben und unten kugelförmig geschlossenen Kocher A (Fig. 11 Taf. 25), welcher oben und unten einen Siebboden B und B1 besitzt. Die Wirkung der verschiedenen zur Anwendung kommenden Flüssigkeiten soll erhöht und damit der Prozeſs beschleunigt werden durch eine abwechselnd nach beiden Richtungen erfolgende Strömung4) derselben. Hierzu sind zwei Flügelpumpen P1 und P2 bestimmt, welche durch Rohrleitungen c und d so mit den Hohlräumen unter den Siebboden B und B1 in Verbindung stehen, daſs die Pumpe P1 eine Strömung von unten nach oben, die Pumpe P2 eine Strömung von oben nach unten in dem Kocher A erzeugt. Durch Wechsel weises Ein- und Ausrücken der beiden Pumpen P1 und P2 wird die Strömungsrichtung nach Ablauf bestimmter Zeiten immer geändert. In die Leitungen c und d der Pumpen führen gleich die Zuleitungsrohre für die verschiedenen Flüssigkeiten. Durch das Rohr b wird Dampf in die Hohlräume der Boden behufs Reinigung der Sieböffnungen geblasen. Die Dampfzuleitung in den Kessel A erfolgt durch das Rohr a. Das Steigrohr d der Pumpe P2 läuft in ein im oberen Bodenraume liegendes rundes Siebrohr aus.

Das Holz, Stroh u. dgl. wird in den Kessel A durch das obere Mannloch gefüllt und zuerst mit heiſsem Wasser ausgewaschen; hierauf nimmt die Behandlung mit der Lauge oder Säure ihren Anfang, wobei hauptsächlich eine Strömung von unten nach oben eintreten soll. Nach dem Auswaschen des gelösten Holzes mit heiſsem Wasser wird dann gleich das Bleichen ebenfalls in dem Kocher A vorgenommen.

4)

Um in Holzkochern eine Strömung der Kochflüssigkeit zu erzeugen, benutzen Gebrüder Körting in Hannover, wie Prof. Hoyer im Bayerischen Industrie- und Gewerbeblatt, 1885 * S. 80 berichtet, einen Injector, welcher an der Seite des Kochers stehend angebracht wird und dessen Ein- und Auslauf durch Rohre mit dem Boden und Deckel des Kochers in Verbindung steht. Durch Einlassen von Dampf von mindestens 1at Ueberdruck über die Kesselspannung wird dann eine Strömung der Flüssigkeit im Kocher von oben nach unten hervorgerufen.