Text-Bild-Ansicht Band 261

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Die genannten Werkstätten haben für ihre Maschinen neue Modelle entworfen und hierbei durch geschickte Anordnung eine so gedrungene Dreicylinder-Dampfmaschine zu Stande gebracht, daſs dieselbe in dem gleichen Maschinenraume Platz findet wie eine gewöhnliche „Compound“-Maschine. Dabei sind aber nicht etwa die Zapfenlängen der Kurbelwelle verringert, sondern sogar noch vergröſsert worden, so daſs also die Maschine alle Wahrscheinlichkeit einer langen Dauer dieses wichtigen Theiles für sich hat. Die Maschinen des Dampfers Cleveland, die vierte derartige Maschine, welche in den Central Engine Works gebaut wurden und kürzlich unter Dampf geprobt worden sind, geben ein gutes Bild von den Mitteln, wodurch möglichste Genauigkeit der Arbeit und damit zuverlässiger Gang erreicht worden sind.

Diese Maschinen sind nach den Patenten des Oberingenieurs Th. Mudd erbaut und sollen 900 Pferd indiciren. Die 3 Cylinder besitzen 534, 889 und 1448mm Durchmesser bei 990mm Hub. Der Arbeitsdruck ist 10at. Die Cylinder liegen neben einander und arbeiten an drei besonderen, um je 120° gegen einander versetzten Kurbeln. Die Mittellinien des Nieder- und Mitteldruckcylinders sind so nahe an einander, als dies die Cylinderdeckel erlauben; die Mittellinie des Hochdruckcylinders besitzt den gleichen Abstand vom mittleren Cylinder. Die dreifach gekröpfte Kurbelwelle ist aus 3 Stücken zusammengesetzt, die von ganz gleicher Gestalt und unter sich auswechselbar sind; jeder Theil besteht aus einzeln durch Warmaufziehen zusammengesetzten Stücken, die Kurbelzapfen aus hohl geschmiedetem Stahl. Die ganze Welle wird von 4 Lagern anstatt der üblichen 5 bis 6 unterstützt; diese sind aber alle von ungewöhnlicher Länge und die beiden inneren erstrecken sich sogar von Kurbelarm zu Kurbelarm.

An Stelle von Vertheilungsschiebern sind nur entlastete Kolbenschieber angewendet, welche vom Dampfe getragen werden, und deshalb sehr wenig Abnutzung in der äuſseren Steuerung hervorbringen. Die letztere ist möglichst einfach und mit Vermeidung aller überflüssigen Gelenke construirt. Alle bewegten Theile haben groſse Reibungsflächen; die Stangen sind alle der Länge nach verstellbar, die Gelenke erlauben die Abnutzung auszugleichen. Die gleichen Theile sind bei allen 3 Cylindern unter sich vertauschbar. Jeder Cylinder besitzt eine Regulirvorrichtung mit Schraube und Handrad, um unabhängig von den anderen Maschinen den Punkt der Dampfabsperrung während des Ganges regeln zu können. Zur Umsteuerung und Geschwindigkeitsregulirung im Hafen dient eine schwingende Umsteuerungsmaschine, welche in jedem Punkte der Umdrehung wirkt, mit der Hand oder mit Dampf betrieben und ganz von dem Stande des Maschinisten aus gelenkt wird. Mit Hilfe derselben läſst sich binnen 5 Secunden von voller Kraft vorwärts zu voller Kraft rückwärts übergehen. Auſserdem ist noch eine Handumsteuerung mit Schraube ohne Ende und Handrad angebracht.

Die Aufstellung der Maschine ist nach dem bekannten Hammertypus angeordnet. Jeder Cylinder besitzt auf der Rückseite einen Ständer, welcher die Führung für das Querhaupt trägt, und unten hinreichend weit zurücktritt, um der Kurbelstange Raum zu geben. Auf der Vorderseite besitzt der mittlere Cylinder keinen Ständer; die der beiden seitlichen Cylinder aber sind unten gegabelt, um den Kurbeln Raum zu lassen, wodurch diese letzteren sehr leicht zugänglich und zugleich die Maschine nach der Seite trefflich versteift wird.

Die Stopfbüchsendeckel sind alle mit einem innen verzahnten Ringe versehen, welcher in die mit kleinen Getrieben ausgerüsteten Schraubenmuttern eingreift; eine Schneckenradanordnung an der Auſsenseite erlaubt diesen Ring zu drehen und so gefahrlos während des Ganges der Maschine die Stopfbüchsen anzuziehen.

Die Cylinder sind gesondert gegossen und der ganzen Länge nach mit Flanschen zusammengeschraubt. Dieselben sind, ebenso wie die cylindrischen Schiebergehäuse, mit Futtern aus hartem Guſseisen versehen, wodurch ein vollständiger Dampfmantel gebildet wird. Die „schädlichen Räume“ betragen beim Hochdruckcylinder 8,6, beim Mitteldruckcylinder 7,7, beim Niederdruckcylinder 8,1 Procent der betreffenden Cylinderräume. Jeder Dampfmantel ist mit besonderem Dampfzulaſsrohr und Absperrventil versehen, so daſs jeder Mantel