Text-Bild-Ansicht Band 261

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nach Belieben benutzt oder auſser Dienst gestellt, ebenso auch mit Dampf von beliebigem Drucke, unabhängig von den anderen, gespeist werden kann.

Beachtenswerth sind auch die mechanischen Einrichtungen, welche behufs möglichst genauer Bearbeitung und Aufstellung dieser Maschinen in Anwendung kamen. Um eine durchaus zuverlässige Unterlage zu schaffen, wurde im Erdgeschosse der Montirungswerkstätte auf einen Pfahlrost eine dicke Schicht von Beton gelegt und auf dieser sodann vier lange guſseiserne Träger festgeschraubt, deren Oberfläche gehobelt und mit ⊥-Nuthen versehen ist. Quer über diese sorgfältig in eine wagerechte Ebene eingestellten Träger kamen nun 4 breite guſseiserne Kastenträger zu liegen, welche sich auf den ersteren Trägern verschieben und mit Schrauben in beliebiger Stellung befestigen lassen. Auf der Oberfläche derselben, welche wieder gehobelt ist, befinden sich querüber ⊥-Nuthen, um die nöthigen Schrauben zum Befestigen der Arbeitstücke anbringen zu können. Auf diese Art erhält man eine vollständig ebene, wagerechte Fläche zur Aufstellung der Maschinen, welche so fest und unnachgiebig ist, daſs man auch bei hohen, schweren Maschinen noch überall sich auf die Angaben der Wasserwage völlig verlassen kann, einerlei, welches Gewicht auf die Unterlage aufgesetzt worden sein mag.

Die Grundplatte der Maschine wird unten gehobelt, so daſs beim Aufschrauben auf die beschriebene Unterlage keinerlei Spannungen entstehen können. In dieser Stellung werden nun mit Hilfe einer 8m,23 langen und 216mm dicken stählernen Bohrstange, die mit einer empfindlichen Wasserwage und stellbaren Hilfslagern genau eingestellt werden konnte, alle Hauptlager auf einmal ausgebohrt. Dadurch wird vollste Genauigkeit in der Achsenrichtung der Lager erzielt, was in Anbetracht der dreifach gekröpften Welle besonders wichtig erscheint. Dieser Umstand, in Verbindung mit der auſsergewöhnlich groſsen Länge der Lager und der Güte des Lagermetalles (Weiſsguſs) bewirkte auch, daſs bei einer Probefahrt, wobei die Maschine 60 bis 61 minutliche Umdrehungen machte, alle Lager völlig kalt blieben.

Wie bei derartigen Maschinen üblich, ist der Condensator auf der Rückseite derselben angebracht. Eine Neuerung aber ist insofern getroffen worden, als derselbe durch eine wagerechte Fuge getheilt und die untere Hälfte mit der Bettplatte zusammengegossen ist, wodurch letztere eine ausnehmende Verstärkung erhält. Mit dem Obertheile des Condensators sind wieder die hinteren Ständer für die Cylinder (die Führunggeleise enthaltend) aus einem Stücke, wodurch auch diese eine Steifigkeit erhalten, welche sich durch bloſses Aufbolzen auf das Bett nicht erreichen läſst.

Das Kammlager, welches im Wesentlichen aus einer Anzahl guſseiserner, mit Weiſsmetall gefütterter Sattelplatten von hufeisenförmiger Gestalt gebildet wird, die in einem langen guſseisernen Troge an zwei parallelen Schrauben mit Hilfe von Muttern eingestellt werden, ist in der Art eingerichtet, daſs besondere Platten für den Vorwärts- bezieh. Rückwärtsgang vorhanden sind. Es ermöglicht diese Anordnung die Vermeidung jedes todten Ganges und gewährt weiterhin noch den Vortheil, bei allfälliger Beschädigung einer Sattelplatte sofort eine Platte des anderen Satzes einfügen zu können, da alle Platten völlig gleich ausgeführt sind. Auch das Sternlager ist mit besonderer Sorgfalt und in sehr groſser Länge hergestellt.

Besonders gerühmt wird die geringe innere Reibung und die gute Gewichtsausgleichung der Maschine, welche es beispielsweise möglich machte, im Dock mit bloſs 8 Umdrehungen in der Minute anstandslos zu fahren. Man schreibt die geringe Reibung insbesondere der Anwendung der entlasteten Steuerkolben zu.

Ueber die Reibungsverhältnisse wird Folgendes mitgetheilt: Bei einem Leergangsversuche in der Fabrik, wobei die Maschinen mit Dampf aus den Fabrikskesseln gespeist wurden, welcher 5at,6 Spannung besaſs, aber durch das Drosselventil noch herabgezogen wurde, während die Maschinen auf 10at Spannung berechnet sind, und bei einer Länge der Dampfleitung von 76m machten die Maschinen 63 minutliche Umdrehungen und die Luftleere im Condensator betrug 635mm. Die indicirten Leistungen in Pferd ergaben sich, wie folgt, bei zulässig höchster und geringster Expansion: