Text-Bild-Ansicht Band 259

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erfolgt durch Eintauchen der porösen Rohwaare in den nicht zu dünnen Glasurbrei. Die Glasur muſs dick aufliegen. Das Malen erfolgt auf der halb eingetrockneten sogen. Staubglasur. Es erfordert diese Malerei eine besondere Geschicklichkeit, da jeder Pinselstrich festsitzen muſs und eine Nachbesserung nicht thunlich ist. Es finden nur wenige Farben bei der Majolikamalerei Verwendung.

Alle Farben werden vorher geschmolzen und zwar beim Glasurbrande in den Kanälen, damit das Geschirr nicht durch die Metalldämpfe gefärbt wird. Fallen die Farben beim ersten Schmelzen nicht gleichmäſsig aus, so werden sie zerstoſsen, mit etwas Bleiglätte und Kochsalz gemischt und einer neuen Schmelzung unterworfen. Die Materialien zur Bereitung der Farben werden in folgenden Raumverhältnissen gemischt:


Gelb


Rothgelb
(Versatz)






Grün III



Blau II
Antimonasche
Bleiglätte
Glasursand

Stahlrost
Aescher

Versatz zu Rothgelb
Glasursand
Salz

Kupferasche
Aescher
Glasursand
Salz

Smalte
Salz
1
8
16

1
2

4
8
5

1
6
4
5

1
1

Goldgelb




Grün I


Grün II


Blau I


Violett
Antimonasche
Bleiglätte
Glasursand
Aescher

Kupferasche
Bleiglätte
Glasursand

Chromoxyd
Weiſse Glasur

Smalte
Minium

Braunstein
Weiſse Glasur
1
9
8
1

1
4
4

1
10

4
1

1
20

Sollen farbige Glasuren hergestellt werden, so mischt man die Farbe mit der weiſsen Glasur, etwa auf 2 Th. Farbe 1 Th. Glasur. Die glasirte und bemalte Waare wird wieder unter Beobachtung der beim Rohbrande angeführten Umstände in den Ofen eingesetzt, die Heizung langsam begonnen und allmählich bis zum vollständigen Schmelzen der Glasur gesteigert. Nach dem Glasurbrande muſs der Ofen 24 Stunden abkühlen bevor die nunmehr fertige Waare dem Ofen entnommen wird.

E. Böhme (Mittheilungen aus den kgl. technischen Versuchsanstalten zu Berlin, 1885 S. 27) hat die Festigkeit verschiedener Thonrohre gegen inneren Druck bestimmt. Dieselbe betrug bei glasirten Muffen-Thonrohren von 16cm Durchmesser und 20mm Wandstärke aus den Dommnitz'schen Thonwerken 11,5 bis 18,5at, bei Rohren von 30cm Durchmesser und 33mm Wandstärke 13 bis 18at. Steinzeugröhren von Fikentscher in Zwickau (vgl. 1882 245 44) zersprangen bei 10cm Durchmesser und 22mm Wandstärke unter 23 bis 25at Druck, bei 20cm Weite und 25mm Dicke bei 21 bis 24at Innendruck; die Biegungsfestigkeit betrug im Mittel 137k/qc.