Text-Bild-Ansicht Band 258

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Dr. Fol in Genf.2) Marion in London, Liesegang in Düsseldorf, Stebbing in Paris bringen Miniatur-Cameras für Maler und Dilettanten in den Handel, welche nur Bildchen von 5 bis 6cm im Gevierte geben; dieselben sind aber sehr scharf und vertragen eine namhafte Vergröſserung. Solche praktische kleine Taschenapparate (sogen. „Künstler-Camera“, „Academy-Camera“ u.s.w.) scheinen viele Freunde zu finden; der Berufsphotograph zieht jedoch gröſsere Apparate vor.

Die Negativaufnahmen in der Camera geschehen sehr allgemein auf Bromsilber-Gelatineplatten. Das nasse Collodionverfahren wird immer mehr verdrängt. Für sogen. Rapid-Emulsionen arbeitet man mit ammoniakalischen Emulsionen, deren Darstellung in Verfassers Photographie mit Bromsüber-Gelatine und Chlorsilber-Gelatine (Verlag von W. Knapp in Halle a. d. Saale), 1885 S. 159 ausführlich beschrieben ist.

In England werden namentlich von Warnerke, sowie von Morgan und Kidd groſse Anstrengungen gemacht, „Negativpapier“ an Stelle der mit Gelatine-Emulsion überzogenen Glasplatten einzuführen. Bemerkenswerth ist Warnerke's Patent, nach welchem das Papier auf der Vorder- und Rückseite mit Emulsion überzogen ist; dadurch verringert sich der Einfluſs der Struktur des Papieres.

Als Entwickler dient in Oesterreich, Deutschland und Frankreich vorzugsweise der vom Referenten im J. 1879 eingeführte Eisenoxalat-Entwickler, bei welchem man 1 Th. gesättigte Eisenvitriollösung mit 4 Th. gesättigter Kaliumoxalatlösung mischt (vgl. 1880 235 376. 236 406). In England und Amerika ist mehr der Pyrogallol-Entwickler im Gebrauche. Man arbeitet am liebsten mit. Pyrogallol und Soda oder Potasche. Ammoniak wird nur wenig mehr verwendet, weil es übel riecht, bald durch Verdunstung seine Stärke ändert und mit manchen Plattensorten einen grünen Schleier gibt. Allgemein ist jetzt der Zusatz von schwefligsaurem Natron zum Pyro-Entwickler in Gebrauch, welcher bewirkt, daſs die Platten grauschwarz statt gelb gefärbt werden.

Ein sehr guter Entwickler für Augenblicksaufnahmen ist der im J. 1883 von Stolze in Berlin angegebene Potaschen-Entwickler. Die vom Referenten angewendete und im J. 1885 mitgetheilte Formel hierfür ist die folgende:

A B
100cc Wasser 200cc Wasser
25g neutrales Natriumsulfit 90g reines kohlensaures Kali
10g Pyrogallol 25g neutrales Natriumsulfit
3 bis 8 Tropfen Schwefelsäure

Vor dem Gebrauche mischt man 100cc Wasser, 3cc von A und 3cc von B; je mehr Wasser man zusetzt, desto zarter und weicher entwickeln sich die Bilder. Als Verzögerer bei zu langen Belichtungen setzt man etwas citronensaures Kali oder das energischer wirkende Bromkalium zu.

2)

Vgl. Photographische Correspondenz, 1884 S. 195. Photoqraphisches Archiv, 1884 S. 222.