Text-Bild-Ansicht Band 258

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Von den Verstärkungsmethoden hat sich die Quecksilberverstärkung behauptet. Auſser den bekannten Methoden mit Quecksilberchlorid erfreut sich insbesondere ein neueres, im J. 1884 von England aus eingeführtes Verfahren einer groſsen Beliebtheit: Das fixirte und gewaschene Negativ wird in ein Bad von 2 Th. Quecksilberchlorid, 2 Th. Bromkalium und 100 Th. Wasser gelegt, bis es die nöthige Stärke erlangt hat. Die Farbe des Bildes ist dann weiſs und wird durch Waschen mit Wasser und Uebergieſsen mit einer Lösung von 1 Th. neutralem schwefligsaurem Natron in 6 bis 8 Th. Wasser geschwärzt.4) Der Vortheil dieses Verfahrens ist, daſs man zwischen dem Behandeln mit Quecksilberchlorid und schwefligsaurem Natron nicht sorgfältig zu waschen braucht; ferner ist die verstärkte Platte sehr beständig und verändert sich während des Copirens nicht, welchen Uebelstand häufig andere Methoden der Quecksilberverstärkung zeigen.

Zu dichte Matrizen können abgeschwächt werden. Hierzu eignen sich besonders zwei im J. 1884 vorgeschlagene Methoden: Nach Belitzki legt man die Matrizen in eine Lösung von oxalsaurem Eisenoxydkali5) in unterschwefligsaurer Natronlösung. Ferner entspricht ein Gemisch von unterschwefligsaurem Natron mit rothem Blutlaugensalz (von Farmer vorgeschlagen) sehr gut diesem Zwecke.6)

Für stellenweise Abschwächung einzelner zu dichter Stellen an Gelatine-Negativen dient ein einfaches mechanisches Mittel, das Lenhard in Wien (1885) vorschlug und bestens empfohlen werden kann. Man reibt die zu dichten Stellen mit einem in starken Alkohol getauchten Leinwandlappen kräftig ab; der Lappen färbt sich schwarz und das Bild hellt sich auf, ohne daſs irgendwie die Zartheit der Zeichnung leiden würde.

In der angewandten Photographie macht sich besonders seit der Einführung der Gelatinetrockenplatten der Vortheil der kürzeren Belichtung bemerklich und es sind zahlreiche vortreffliche Augenblicksbilder zu erwähnen. Es ragen besonders Lugardon sowie Boissonas in Genf, Uhlenhuth in Coburg, David und Scolik in Wien mit Thierbildern, Straſsenscenen u. dgl., West in Gosport und Newton in New-York mit Seeschiffen hervor. Am groſsartigsten aber und streng wissenschaftlich führten die Augenblicksphotographie aus: Marey in Paris zum Studium der Physiologie

4)

Es wird zunächst das Silberbild durch das Quecksilberbad in Bromsilber und Quecksilberchlorid übergeführt; schwefligsaures Natron reducirt das Chlorür zu metallischem Quecksilber und schwärzt hierbei das Bild.

5)

Das oxalsäure Eisenoxyd-Kali bildet schöne smaragdgrüne Krystalle, welche sich aus altem Oxalat-Entwickler durch Stehen in offenen Gefäſsen ausscheiden. – Da dieses Salz nicht überall leicht zu erhalten ist, zieht der Referent ein Gemisch von Eisenchloridlösung (1 : 8) und neutraler oxalsaurer Kalilösung (1 : 4) vor. Man mischt unmittelbar vor dem Gebrauche beide zu gleichen Theilen und gibt etwas davon in eine starke Lösung von Fixirnatron. In diesem Bade schwächen sich die Matrizen sehr gleichmäſsig.

6)

Rothes Blutlaugensalz führt Silber in Ferrocyansilber über, welches sich im unterschwefligsauren Natron auflöst.