Text-Bild-Ansicht Band 258

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Patrick Ryan's Apparat bestand in einer kleinen Kanone, aus deren Mündung das lange zugespitzte Geschoſs noch hervorragte. Die Schnur an demselben war wieder in der Art angebracht, daſs sie zunächst an das Ende einer dünnen Stange geknüpft wurde, welche beim Laden des Geschützes taschenmesserartig in eine Längsrinne des Geschosses eingeklappt und so nach vorn gelegt werden konnte. Zum Richten des Geschützes dienten zwei in -Gestalt verbundene parallele Stangen, deren eine in die Bohrung des Laufes paſste, während längs der anderen visirt wurde.

Alle diese Apparate, bewährten sich als gut; es wurden mit denselben eine gröſsere Anzahl Schnüre von 60 bis 200m Länge völlig sicher über die etwa 45m hohe Klippe geschossen.

Es wird abzuwarten sein, welchen dieser Apparate das New-Yorker Amt annehmen wird. Dasselbe verlangt, daſs der Apparat möglichst einfach gebaut, leicht zu handhaben, gegen Witterungseinflüsse unempfindlich, nicht zu schwer und unter allen Umständen zuverlässig sei. Der Apparat muſs im Stande sein, eine Schnur über die höchsten Gebäude wegzuschieſsen, und so sicher treffen, daſs jedes beliebige Fenster erreicht werden kann. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte der betreffende Apparat auch in anderen groſsen amerikanischen Städten zur allgemeinen Einführung gelangen.

Für amerikanische Verhältnisse mögen diese an und für sich sehr lehrreichen Versuche sicher ihre volle Berechtigung haben. Die auſserordentliche Höhe der Häuser, die beliebte Benutzung von Aufzügen (lifts) an Stelle der Treppen, die feuergefährliche Bauart, die groſse Trockenheit des Klimas stellen dort der Menschenrettung bei Brandfällen weit umfänglichere und schwerere Aufgaben, als dies bei uns der Fall ist. Es läſst sich deshalb erwarten, daſs wir, wie in vielen anderen Dingen, kaum Veranlassung haben werden, auf dem Gebiete der Menschenrettung in Brandfällen in die Fuſstapfen unserer erfindungsreichen Nachbarn jenseits des Oceans zu treten.

Apparate zum Austrocknen von Neubauten.

Die gewöhnlich zum Austrocknen von Neubauten verwendeten Feuerkörbe wirken vorwiegend durch strahlende Wärme und ergeben somit durch die Abwesenheit stärkerer Luftströmung eine geringe Leistungsfähigkeit bei groſsem Brennmaterialverbrauche. Zur Erzeugung einer Luftbewegung bei solchen Feuerkörben (sogen. Schnelltrocknern) versieht J. Keidel in Berlin (* D. R. P. Kl. 82 Nr. 33246 vom 1. Mai 1885) dieselben mit einem Blechmantel, in welchen, wie aus nebenstehender Abbildung zu entnehmen ist, die Luft durch Oeffnungen E am Boden eintreten kann. Diese Luft erwärmt sich innerhalb des weiten Mantels durch Vorbeistreichen an der glühenden Kokesfüllung im Korbe und tritt oben frei aufsteigend in dem auszutrocknenden Raume in die Höhe. Ueber dem Korbe ist zur seitlichen Ableitung der gerade aufsteigenden Feuergase und zum Schütze der gewöhnlich schon trockenen Decke vor strahlender Wärme ein Schirm S angebracht. Verbindet man die Oeffnungen E durch Rohre mit der Auſsenluft und macht nahe am Fuſsboden in dem Schornsteine des auszutrocknenden Raumes eine Oeffnung zum Entweichen der feuchten schweren Raumluft, so wird eine beständige Strömung der Luft ähnlich wie bei der St. v. Kosinski'schen Einrichtung (vgl. 1884 251 470) erzielt.

Textabbildung Bd. 258, S. 527
St. v. Kosinski in Berlin (* D. R. P. Kl. 82 Nr. 32467 vom 6. November 1884, Zusatz zu Nr. 18815, vgl. 1884 251 470) hat an seinem Apparate zum Austrocknen von Neubauten eine Verbesserung dahin getroffen, daſs einzelne Heizrohre, wenn sie durchgebrannt sind, leicht aus dem Ofen entfernt und durch neue ersetzt werden können. Es hat sich auch gezeigt, daſs der beabsichtigte Abzug durch die saugende Kraft des Feuers im Apparate nicht ausreichte, und ist deshalb das Gebläse zur Einführung frischer Auſsenluft doppelseitig ausgeführt worden. Die Flügelscheibe des Gebläses ist durch eine Mittelwand getheilt und saugt daher auf der einen Seite Auſsenluft an, während sie auf der