Text-Bild-Ansicht Band 257

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Dampfes bei normalem Gange, bei welchem die erwähnten beiden Ventile geschlossen sind, ergibt sich hiernach ohne weiteres. Soll die zum mittleren Cylinder gehörige Treibschraube allein arbeiten, so wird die andere Maschine mittels des Steuerhebels abgestellt, so daſs der frische Dampf nur in dem betreffenden kleinen Cylinder zur Wirkung kommt. Aus diesem gelangt der Dampf in die untere Behälterkammer, dann in den mittleren Cylinder und schlieſslich in die obere Kammer. Hier staut sich der Dampf, da der Eintritt in den groſsen Cylinder versperrt ist, so lange an, bis seine Spannung genügt, das an die Kammer angeschlossene Ventil zu öffnen, worauf er ins Freie entweicht. Diese Maschine arbeitet also dann als gewöhnliche Compoundmaschine ohne Condensation. Soll die andere Maschine allein betrieben werden, so wird jene abgesperrt. Der Dampf des kleinen Cylinders gelangt ebenfalls in die untere Kammer des Behälters, kann jedoch nicht in den mittleren Cylinder eintreten und wird sich daher in dieser Kammer ansammeln, bis das zur oberen Kammer führende Ventil sich hebt und den Dampf nach dem groſsen Cylinder überströmen läſst, aus welchem er schlieſslich in den Condensator gelangt. Diese Maschine bildet folglich dann eine Compoundmaschine mit Condensation.

Im Engineering, 1885 Bd. 39 S. 173 findet sich ferner eine Zusammenstellung von 36 Schiffen, welche sämmtlich mit Dreifach-Expansionsmaschinen, von 16 verschiedenen Firmen herrührend, versehen sind. Von den dort gemachten Angaben sind besonders die von den verschiedenen Erbauern gewählten Cylinderverhältnisse bemerkenswerth. Das Verhältniſs des ersten zum zweiten Cylinder schwankt zwischen 1,85 und 3,17 (abgesehen von einem Ausnahmefalle, in welchem dasselbe gleich 4 ist), das des zweiten zum dritten zwischen 2,06 und 4 und das des ersten zum dritten zwischen 4,54 und 10,19. Die Mittelwerthe dieser drei Verhältnisse sind 2,54 bezieh. 2,82 und 7,07.

Für Landmaschinen hat das Dreicylinder-System, soviel bekannt, noch keine Anwendung gefunden. Im J. 1877 nahm zwar E. Althaus in Breslau ein preuſsisches Patent auf eine liegende Dreifach-Expansionsmaschine mit drei um 120° versetzten Kurbeln und ohne Zwischenbehälter, welches später in ein (bereits erloschenes) deutsches Reichspatent (Nr. 3807 vom 9. April 1878) umgewandelt wurde. Die Maschine war mit Ventilsteuerung versehen und zwar dienten die beiden Auslaſsventile des ersten Cylinders zugleich als Einlaſsventile des zweiten und die Auslaſsventile des zweiten als Einlaſsventile des dritten Cylinders. Durch diese Anordnung sollte gegenüber der bereits bekannten Elder'schen Maschine gröſsere Einfachheit in der Steuerung erreicht und der Spannungsverlust durch die Zwischenbehälter vermieden werden. Dieselbe scheint jedoch, wenn sie überhaupt zur Ausführung gekommen ist, keinen Erfolg gehabt zu haben.

Whg.