Text-Bild-Ansicht Band 278

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billigerer. Die Emdener Heringsfischereigesellschaft ist gewissermaſsen das Schmerzenskind unserer Fischerei; obwohl durch zinsfreie Darlehen der Regierung wie durch Bau- und Ausrüstungsprämien unterstützt, ist es ihr, zum Theil unter den Einwirkungen einer früheren Miſsverwaltung, noch nicht gelungen, auf einen grünen Zweig zu kommen. Der Fang mit 17 Loggern im letzten Betriebsjahre betrug 11127⅜t zu einem Werthe von 313178 M. Die holländische Loggerflotte besteht aus nicht weniger als 200 Stück. Die Häfen Schottlands schicken sogar in den Sommermonaten 15000 kleinere Fahrzeuge zum Heringsfange aus.

Der Frischfischfang wird in der Nähe der Küste mit Angeln und auf der See mit dem sogen. Schleppnetz ausgeführt. Letzteres besteht aus einem durch eiserne Klammern, sogen. Klauen, vorn aus einander gehaltenes Sacknetz, das von dem Fahrzeuge aus auf dem Meeresgrunde geschleppt wird und in seine Oeffnung schöpft. Dieses Fischgeräth nennt der Fischer die Kurre. Dasselbe ist ein 19m langer, sich nach hinten verjüngender Sack aus Garnmaschen, der vorn an der Oeffnung bei den ihn aus einander haltenden Klauen an dem 10m langen und 16cm starken Kurrbaum hängt. Die etwa 40k schweren Kurren werden bei der Arbeit noch mit Gewichten beschwert.

Zur Bedienung dieser Kurren werden sogen. Ewer benutzt. Die Kutterewer haben eine Kiellänge von etwa 17m, eine Breite über Deck von fast 6m und eine Tiefe von 2m,08. In der Mitte des Ewers befindet sich die Bunge oder Büne, eine Abtheilung, welche durch schräg in den Boden eingebohrte Löcher dem Seewasser zugänglich ist und worin die lebendig zu erhaltenden Fische aufbewahrt werden; daneben hat jetzt jeder Ewer Eisbehälter, die 1500 bis 3000 Pfund Eis fassen. Diese Ewer, bedient von 3 bis 4 Mann, fangen mit solcher Kurre verhältniſsmäſsig ebenso viel Fische, als die in neuerer Zeit von Geestemünde und Hamburg aus in Betrieb gesetzten Dampfer (gegenwärtig 22); sie bewahren ihren Fang auch sorgfältig in Eis, oder in der Bünn, einem abgeschlossenen Raume unter Deck, der, an der Auſsenseite durchlöchert, vom Seewasser durchströmt wird, lebend auf, allein die kostspieligen von 15 Mann bedienten groſsen Fischdampfer bringen doch allwöchentlich weit gröſsere Massen frischer Seefische, namentlich die verschiedenen Plattfischarten, Schellfische, Kabeljau u.a. zu Markt.

Die Zahl der Ewer und Kutterewer, von denen auf der Ausstellung eine ganze Reihe von ausgezeichneten Modellen u.a. von Junge in Wewelsfleth zu sehen sind, hat sich in den letzten Jahren nicht vermehrt, während die Fischdampferflotte in ganz kurzer Zeit sich erheblich gemehrt hat und noch in diesem Jahre neue Dampfer hinzugekommen sind.

Die innere Einrichtung dieser Dampfer, welche auf den Werften von Tecklenborg in Geestemünde und Wenke in Bremerhaven erbaut, zum Theil auch in England gekauft wurden, zeigt das Modell des bei Wenke