Text-Bild-Ansicht Band 278

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in Bremerhaven erbauten Präsident Herwig. Den gesammten Fischereibetrieb an unseren Küsten und in der hohen Nordsee zeigen die sehr hübsch gearbeiteten Modelle, welche der Fischereiverein für den Kreis Norden ausgestellt hat: Wir sehen hier die Treibnetzfischerei auf Hering, die Schleppnetzfischerei und den Fang des Schellfisch und Kabeljau mit Leine und Angeln durch die bekannten von Norderney, Norddeich, Spiekeroog, Neu-Harlinger-Siel, Carolinen-Siel und benachbarten kleinen Küstenplätzen ausgehenden, von drei Mann bedienten Slupen.

Die weitere Küstenfischerei an der Nordsee geschieht mit kleinen Kurren, ausgelegten Körben und sogen. Schiebenetzen auf Granat oder Garneelen, jene beliebten Seekrebse, welche, leicht dem Verderben ausgesetzt, in frischem Zustande nicht weithin verführt werden können, neuerdings jedoch durch eine Fabrik in der oldenburgischen Stadt Varel in Conservenbüchsen präparirt, weithin versandt werden. Die Garneelenfischerei, wie der mit den sogen. Argen oder Aggen betriebene Fischfang ist ein Kleinbetrieb, der verhältniſsmäſsig nur geringe Auslagen erfordert, daher recht eigentlich eine Beschäftigung der Unbemittelten.

Die Agge oder Arge ist ein im Zickzacke längs und nahe der Küste aufgestellter Fischzaun aus Weidengeflecht, dessen äuſserste nach See zu gelegene Spitze in einem mit der Oeffnung dem Lande zugewendeten Korbe endigt. Die ablaufende Fluth führt die Fische längs dem Zaune hin und zuletzt in den Korb. Bei Ebbezeit naht der Fischer mit seinem Schlickschlitten und birgt den Fang durch Ausschütten des Inhaltes in mitgebrachte Behälter. Da auch die Aggenfischerei nur im Herbst, Winter und Frühjahr stattfindet, so wird dieses Geräth in jedem Sommer beseitigt und im Herbste erneuert.

Zu den Geräthen der Küstenfischerei gehören auch die Hamen oder Küls (Modell von Romann in Leerort), wie wir sie im Dollart und der von den Tiden berührten Unterems, aber auch in unserer Weser, bei Elsfleth und Brake, sehen. Es sind das an eingerammten Pfählen befestigte groſse Sacknetze, in welche der Fluth- bezieh. Ebbestrom die Fische hineinführt und welche rechtzeitig von einem Boot aus entleert werden.

Bei der eben erwähnten Küstenfischerei ist es unvermeidlich, daſs eine Menge kleiner untermaſsiger Fische aufgefangen werden und verloren gehen. Das Gleiche ist auch der Fall bei der Dampferfischerei mit dem Baumschleppnetz. Es ist das Verdienst der Section für Küsten-und Hochseefischerei, auf die Verwerthung dieses sogen. bisher achtlos fortgeworfenen Nebenfanges für Düngerzwecke der Landwirthschaft aufmerksam gemacht und die Verwirklichung solchen Fortschrittes eingeleitet zu haben.

Unter die Küstenfischerei gehört auch der Störfang. Derselbe wird in dem unteren Laufe der zur Nordsee flieſsenden Ströme, also namentlich in der Unterems, der Unterweser und der Unterelbe, ferner in und vor