Text-Bild-Ansicht Band 276

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erstere aus unbenutzten Dampfkesselblechen, letztere aus den Wandungen eines bereits dem Betriebe übergebenen Dampfkessels geschnitten.

Nach den bisher vorliegenden Versuchsdaten zeigen Dampfkesselbleche aus ursprünglich gutem Materiale selbst nach vieljährigem Betriebe keine wesentlichen Veränderungen in ihren mechanischen Eigenschaften gegenüber jenen der Neumaterialien. Die bisher selbst nach 40jährigem Betriebe des Dampfkessels untersuchten Bleche erwiesen sich keinesfalls als „erschöpft“, zeigten die in der Elasticität des Materiales begründeten mechanischen Eigenschaften noch vollkommen befriedigend entwickelt, und konnte der fernere Betrieb des Dampfkessels unter einer allerdings vorsichtshalber etwas verminderten Betriebsspannung zugestanden werden.

Es sei bemerkt, daſs die Elasticitäts-Untersuchung jener Materialschichten eines sogen. Altkesselbleches, welche einerseits an der „Wasserseite“, andererseits an der „Feuerseite“ desselben Bleches liegen, abweichende Ergebnisse finden läſst, was in der chemischen Veränderung dieser Materialpartien begründet zu sein scheint.

Von dem heute schon in auſserordentlich reichlicher Menge vorliegenden Versuchsmateriale über Dampfkesselbleche seien hauptsächlich jene Ergebnisse nach ihren Mittelwerthen hervorgehoben, welche im mechanisch-technischen Laboratorium des Referenten in neuester Zeit durchgeführt wurden, wobei auf die Hauptmaterialien und zwar auf Schweiſseisen, weiches Thomas-, Martin- und Bessemer-Fluſseisen und Kupfer Rücksicht genommen sei. In den meisten Fällen lagen sogen. Neumaterialien für Dampfkessel vor, obschon auch einige Proben mit Altmaterialien, die hervorgehoben seien, Anspruch auf Beachtung erheben dürfen.

Die folgende Tabelle enthält die Hauptergebnisse der Untersuchungen der Qualität der Kesselmaterialien an sich, und sei noch zweier Gröſsen in der Tabelle gedacht, welche im Allgemeinen nicht regelmäſsig bestimmt werden. Diese Gröſsen sind a) das relative Maſs der Deformationsfähigkeit (Zähigkeit) und b) das relative Maſs der Homogenität der Materialien. Die Bedeutung, ferner die Methoden zur Auffindung dieser beiden Gröſsen wurde in den Technischen Blättern, Jahrg. 1886 und 1887 entwickelt. Die Probelänge l sämmtlicher Probestäbe als Bleche und Rund(Niet)stäbe betrug 200mm,0; die Bruchdehnung in Procenten der Gebrauchslänge wurde durchgehends im Sinne der Münchner und Dresdner Conferenzbeschlüsse ermittelt.

Die Frage über die Zweckmäſsigkeit der Anwendung einer guten Sorte Schweiſseisenbleches für die Dampfkesselfabrikation ist erledigt und die heute noch herrschende Praxis, für Dampfkessel lediglich nur Schweiſseisenbleche von bewährter Güte zu verwenden und vorläufig auf die neueren Materialien noch keine Rücksicht zu nehmen, wohlbegründet.