Text-Bild-Ansicht Band 276

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Gutes Schweiſseisenblech läſst neben entsprechend entwickelter Elasticität und Festigkeit auch die Eigenschaft der Zähigkeit und Gleichartigkeit im befriedigenden Maſse nachweisen. Die Fluſseisensorten zeigen allerdings eine höher gelegene Elasticitäts- und Festigkeitsgrenze, hingegen eine ungewöhnlich groſs entwickelte Contractionsfähigkeit (proc. Querschnittsverminderung), welche aber nicht als Folge hoher Zähigkeit, sondern vielmehr als minder entwickelter Gleichartigkeit erkannt werden muſs. Die Frage der Zweckmäſsigkeit der Verwendung von Fluſseisenblechen für Dampfkessel ist noch nicht endgültig erledigt.

Die Untersuchung der Dampfkessel-Nietungen, sowie die richtige Erkenntniſs ihrer Ergebnisse ist für den betriebssicheren und wirthschaftlichen Bau der Dampfkessel von gröſster Bedeutung, daher aufklärende Studien und Versuche auf diesem Gebiete sehr werthvoll erscheinen müssen.

Engineering (1885) bringt einen Auszug aus den von Prof. B. W. Kennedy erledigten umfangreichen Arbeiten zur Klarstellung der Constructions- und Festigkeitsverhältnisse der verschiedenen Dampfkessel-Nietungen. Aus den Ergebnissen der von Kennedy durchgeführten Versuchsreihen mit Nietungen aus weichen nicht geglühten Stahlblechen mit gebohrten Nietlöchern und Stahlnieten ergeben sich folgende Schluſsfolgerungen:

Das zwischen den Nietlöchern stehen bleibende Material hat eine entschieden höhere Festigkeit als das ungebohrte Kesselblech. Bezeichnet δ in mm die Blechstärke, tmm die Niettheilung und dmm den Durchmesser der Nietbohrung, so ergab sich für δ = 10mm und 20mm für t ≦ 1,9 d ein Festigkeits-Ueberschuſs bis 20 Proc. In anderen Fällen erreichte dieser Ueberschuſs für t = 2 d bis 15 Proc., für t = 3,6 d bis 10 Proc., bei t = 3,9 d bis 7 Proc.

Die Erklärung für diese hochbeachtenswerthe Thatsache hat Kennedy durch Darstellung der Formänderungen von Quer-Parallelrissen ermöglicht, welche an den Probestäben mit und ohne Nietöffnung (d) ausgeführt waren. Die Versuchsergebnisse lassen erkennen, daſs die Gleichmäſsigkeit der Uebertragung der Zugkraft auf den Probequerschnitt eines Flachstabes (Lamelle) mit der Breite desselben entschieden abnimmt.

Die Scherfestigkeit Ksat ist bei doppelter Abscherung ebenso groſs, wie bei einfacher Abscherung.

Die einfachen Nietungen weisen den Nachtheil auf, daſs das für den Nietbolzen sich ergebende Biegungsmoment mit der die Nietverbindung in Anspruch nehmenden Zugkraft eine zusammengesetzte Inanspruchnahme für den Nietbolzen ergibt, in Folge welcher ein geringerer Widerstand ksat eintritt.

Die Gröſse der Nietköpfe und Enden der Nietbolzen ist für die Festigkeit der Nietverbindung, und besonders für die einfache Nietung von groſsem Einflusse. Kräftigere Nietköpfe und Nietenden erhöhten