Text-Bild-Ansicht Band 276

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Wasser für sich allein im Stande ist, ganz beträchtliche Mengen von Holzsubstanz zu lösen. In dieser Arbeit versuchte ich, die Angreifbarkeit der Cellulose und des Holzes bei Gegenwart von Alkali nachzuweisen. Unter denselben Bedingungen wie bei destillirtem Wasser, bei erhöhtem Druck und erhöhter Temperatur muſste natürlich selbst das verdünnte Alkali viel stärker einwirken. Die erhaltenen Daten sollen, wenn auch relative, Zahlen angeben, welche uns die Verhältnisse bei der Cellulosefabrikation aus Holz durch Kochen mit Natronlauge wenigstens theilweise aufklären können. Auch hier habe ich, um durch Gegenüberstellung Vergleiche ziehen zu können, sowohl reine Cellulose als weiches und hartes Holz mit Lauge behandelt, und zwar bei verschiedenem Druck und verschiedenen Temperaturen, als auch bei wechselnder Verdünnung der Natronlauge.

Von dem Verhalten von Holz und Cellulose gegen Lauge ist bis jetzt noch wenig bekannt, obwohl die Natroncellulose schon seit einer Reihe von Jahren fabrikmäſsig hergestellt wird. Von Braconnot1) wissen wir, daſs derselbe Holz mit Alkali behandelte. Er erhielt dabei Ulmin. Zuerst wurden im Groſsen alkalische Flüssigkeiten benützt, um aus Stroh, Pfriemengras u.s.w. die Cellulose abzuscheiden, 1856 erhält Chauchard ein englisches Patent, um Papier und Pappendeckel aus Holz und anderen Vegetabilien herzustellen. Er zerreibt, zerfasert diese Materialien und unterwirft sie einer alkalischen Wäsche. Collier stellte aus Rübentrestern durch Kochen mit Wasser und 2 bis 4 Proc. Sodalösung Cellulose her, Piette berichtet, daſs eine französische Gesellschaft Pferdemist mit Kalk und Soda kocht um Cellulose zu erhalten; 1862 schlug Barne und Blondel vor, Holz zur Celluloseabscheidung mit Salpetersäure und mit Sodalösung zu behandeln; Payen berichtet von einem in der Cellulosefabrik von Oriolo ausgeführten Verfahren, aus Holz Papierstoff herzustellen. Holzscheiben von 5mm Dicke wurden zuerst mit Königswasser in der Wärme, dann mit Natron oder Ammon in geschlossenen Gefäſsen erhitzt. Auch hier haben wir stets combinirte Säure- und Alkaliwirkung.

Auch Barchet und Machard benützen ein solches Doppelverfahren. Sie erhitzten Holz durch 12h mit verdünnter Salzsäure, behandelten es dann mit Natronlauge. Die saure Lösung wurde neutralisirt und auf Zucker verarbeitet. Durch mikroskopische Untersuchungen suchte dann Payen den Vorgang folgendermaſsen zu erklären:

In dem mit Königswasser behandelten Holze zeigte sich im Rückstand die unangegriffene feste Cellulose mit ihren membranösen Formen, wogegen die den Einschlag der inkrustirenden Substanzen bildende schwammige Cellulose vollkommen aufgelöst war. Dadurch wurden in der Folge die inkrustirenden Materien leichter angreifbar. Durch

1)

D. p. J. 1820 1 312.