Text-Bild-Ansicht Band 276

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längeres Kochen unter fortgesetzter hoher Temperatur. Unter allen Umständen soll kaustisches Aetznatron benützt werden. Das Kochen des Holzes hat den Zweck, das Skelet des Holzkörpers, aus vielen einzelnen runden, an den Enden zugespitzten schlauchähnlichen Membranen bestehend, in möglichst reiner Form zu gewinnen. In und um diese Membranschläuche liegen nämlich die sogen. Inkrusten Harze, Oele, Stärke, Gummi und andere Stoffe, und es handelt sich bei der Cellulosedarstellung darum, alle fremden (die nicht cellulosen) Beimengungen möglichst sicher und auf möglichst wohlfeile Art und Weise zu entfernen.

Kirchner gibt an, daſs sich von allen Methoden der Cellulosegewinnung nur die Kochung mit Natronlauge bewährt habe, und von dieser die folgenden vier Arten.

1) Direkte Heizung liegender Kochkessel auf 10at (Lee, Dresel, Rosenhain).

2) Direkte oder Dampfheizung stehender Kessel auf 10 bis 14at (Sinclair, Nikol, Behrend).

3) Dampfheizung rotirender Kessel auf 12at.

4) Laugungsverfahren mit auf 6at erhitzten, durch ein zusammenhängendes System von kleineren Apparaten getriebenen Laugen.

Nach Kirchner ist das Ungerer'sche Verfahren oder eine Modifikation desselben wahrscheinlich das Vollkommenste und Beste. In Aschaffenburg benützte Kirchner bis dahin nur liegende Kessel mit direkter Heizung möglichst kaustische Lauge und einen Druck von 10at. Den Druck variirt er je nach Holz und je nach der Concentration der Natronlauge. Natron, Druck und Zeit müssen für jede Holzgattung im richtigen Verhältniſs stehen. Zu viel Natron, zu hohe Temperatur kann auch Lösung der Cellulose bewirken. Ein gröſserer Verlust ist jedoch nur bei groben Abweichungen möglich. Der fertig gewaschene Stoff soll eine graugelbe Farbe mit weichem baumwollähnlichen Griff zeigen, dann läſst er sich mit Leichtigkeit bleichen.

Als weitere Vorschläge für die Natroncellulosefabrikation erwähne ich noch den Vorschlag Wiegands, Holz vor der Behandlung mit Natron scharf zu trocknen, um es empfänglicher zu machen; dann den Vorschlag Götzes und Schulzes das von der Borke befreite, in Stücke zerschnittene Holz in einem Kocher mit Kalkmilch zu erhitzen, hierauf das Holz in Farbholzraspeln zu zerkleinern und mit kaustischer Soda zu kochen. Meyer empfiehlt Pflanzenstoff mit Schwefelstrontium zu kochen.

Der österreichische Verein für chemische und metallurgische Produktion in Aussig empfiehlt eine Lösung (von 10°B.) von Schwefelnatrium, und zwar sollen 100k Holz mit 30k reinem Schwefelnatrium in obgenannter Concentration durch 6h auf 5 bis 10at erhitzt werden. Schwefelnatrium verbindet sich dabei mit den inkrustirenden Substanzen zu einer Verbindung von tiefbrauner Farbe während die Cellulose in Form des Holzes zurückbleibt. Diese wird systematisch mit Wasser und verdünnter