Text-Bild-Ansicht Band 276

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Salzsäure gewaschen. Sellnik weicht das in eiserne Körbe gepackte Holz in Lauge ein, hebt dann den Korb mit dem Holze heraus und kocht in einem offenen Kocher, nach Reid's Erfahrungen soll das Kochen des Holzes mit einer Lauge von 20 Proc. (des Holztrockengewichtes) Gehalt bei einer Dampfspannung von 8at, (170°) günstige Erfolge liefern. Dahl in Danzing benützt eine Lösung von schwefelsaurem Natron 16 Proc., kohlensaurem Natron 50 Proc., Aetznatron 20 Proc., Schwefelnatrium 10 Proc. und zwar auf 100k Holz 26k; die Salzlösung hat 6 bis 14° B, für Kiefern, Tannen und Fichtenholz sind 5 bis 10at Dampfspannung und 3 bis 4h Kochzeit erforderlich. Ubertin will durch Auslaugen von Holz, Stroh ohne Kochen fettige, harzige Substanzen auflösen. Er benutzt 2,37 Kalkhydrat, 3,37 Seesalz. Ueber die Bestandtheile, welche sich in den Laugen finden, ist noch folgendes bekannt: In diesem Journal, 1875 216 373, berichtet ein unbekannter Verfasser, daſs in den Laugen die Natronsalze von Harzsäure, Humussäure, Essigsäure, Kohlensäure, sowie einige harzartige Körper enthalten sind. Versetzt man mit Säure, läſst einige Zeit stehen, so tritt der Geruch nach Vanillin auf. Doch ist es dem Verfasser nicht gelungen, krystallinisches Vanillin zu erhalten. Knösel behauptet, daſs in der Lauge sich höchstens Spuren von Vanillin finden. Das Coniferin ist nur in der Cambialschicht unter der Rinde enthalten, und wird daher vor dem Kochen entfernt, auch müſste sich das Vanillin bei höchstens 180° zersetzen. Als Nebenproduct kann höchstens Kienöl gewonnen werden. Das rohe Product zeigt dann einen Geruch nach Trimethylamin, wahrscheinlich von Pflanzeneiweiſs herrührend. Von sonstigen Untersuchungen über das Verhalten von Holz gegen Alkalien sind bekannt die von Thomson, von Draggendorf, Koch, Weehler und Tollens.3)

Thomson zieht aus dem Holz der Laubbäume durch kalte verdünnte Natronlauge 8 bis 26 Proc. einer mit Cellulose isomeren Substanz aus, welche er als Holzgummi bezeichnet. Zu diesem Zwecke behandelte er Späne aus Birkenholz 24h mit einer Natronlauge vom spec. Gew. 1,1, verdünnte mit Wasser und filtrirte. Beim Uebersättigen der braunen Flüssigkeit bildete sich ein weiſser Niederschlag, Thomson hat denselben nicht weiter untersucht. Der ursprüngliche Natronauszug mit dem gleichen Volumen Alkohol gefällt und auf dem Filter mit verdünntem Alkohol gewaschen ergab bei 100° getrocknet 15 Proc. des Holzes. Es war Holzgummi und hatte aschenfrei die Formel C6H10O5. Aus anderen Laubhölzern wurde mehr gewonnen, aus Nadelhölzern keines.

Thomson4) beschreibt im weiteren auch die Eigenschaften dieses Productes. Die Untersuchungen von Koch führten zur genaueren Kenntniſs

3)

Weitere Daten finden sich in Hoyer, Bericht über die Fabrikation von Cellulose aus Holz, Glaser Annalen 17 191; Hoyers Papier * 1876 10. Jahrg. 257 354.

4)

Journ. pract. Chemie, 1879, 196.