Text-Bild-Ansicht Band 276

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eine amorphe Masse, welche nicht Holzgummi ist, sondern eine Verbindung von 4C6H10O5, NaOH.

Beim Schmelzen mit Kalilauge entsteht Oxalsäure. Im Holze schützt die inkrustirende Substanz die Cellulose vor dem Lösen durch Alkali.

Wie ich in meinen ersten Untersuchungen gezeigt und wie durch Andere schon bekannt, entstehen beim Erhitzen von Holz mit Wasser allein, oder mit Säuren aus den inkrustirenden Substanzen Zuckerarten. Beim Behandeln mit Alkali muſsten sich diese natürlich theilweise weiter zersetzen.

Nach Emmerling7) und Leges gibt Dextrose mit festem Alkali Acetonalkohol, Kochleder und Kavalier fanden Aceton, Hoppe-Seyler wies nach, daſs beim Erwärmen von Wasser und Alkali aus vielen Zuckerarten Milchsäure gebildet wird, und zwar 10 bis 20 Proc. der Dextrose, Kiliani erhielt 30 bis 40 Proc. an milchsaurem Zink mit 27 Proc. Milchsäure, wenn er 1 Theil Dextrose in 1 Theil Wasser löste, mit 1 Theil Aetzkali und 1 Theil Wasser bei 60 bis 70° so lange digerirte, bis Fehling-Lösung nicht mehr reducirt wurde. Niencki und Sieber erhielten 41 Proc. Milchsäure bei geringer Concentration und niedriger Temperatur.

Meine Untersuchungen haben nun den Zweck, die Angreifbarkeit und die Löslichkeit der Cellulose und des Holzes in Alkali bei verschiedenen Temperaturen nachzuweisen. Dabei machte ich die Versuche mit einem Gehalt der alkalischen Flüssigkeit an NaOH, welcher auch in der Praxis am häufigsten benützt wird. Um aber den Einfluſs der Grädigkeit kennen zu lernen, dehnte ich die Versuche noch auf verdünntere und concentrirtere Laugen aus. Die Kochungen dauerten stets drei Stunden. Um auch den Einfluſs der Zeit festzustellen, wiederholte ich bei den ersten Versuchen die Kochungen von ein und derselben Substanz mit frischer Lauge. Das Erhitzen geschah wieder bei gewöhnlichem Druck und gewöhnlicher Temperatur in einem Glaskolben unter Anwendung eines Rückfluſskühlers; zur Erzeugung des höheren Druckes wurde ein Müncke'scher Digestor benützt. Da aber alkalische Flüssigkeiten das Kupfer angreifen, so wurde in den Digestor ein Eiseneinsatz eingestellt.

Während bei den Kochungen mit destillirtem Wasser der gelöste Antheil durch Eindampfen und Wägen bestimmt werden konnte, muſste ich hier anders vorgehen. Die Lösungen lieſs ich absetzen, sie klärten sich; die überstehende Flüssigkeit wurde in einen Literkolben abgezogen, die letzten Antheile mit dem Rückstand wurden verdünnt, durch ein getrocknetes gewogenes Filter filtrirt, gut gewaschen, der feste Rückstand mit dem Filter getrocknet und gewogen. Das Filtrat wurde schlieſslich stets zu einem bestimmten Volumen, meist zu einem Liter

7)

Tollens, Kohlenhydrate.