Text-Bild-Ansicht Band 275

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daſs im Vor- oder Nachlauf bestimmte Producte enthalten sein müssen, welche nach der Röse'schen Methode einen dem Fuselöl entgegengesetzten Einfluſs, ähnlich wie dies für die ätherischen Oele bekannt ist, ausüben würden. Jedenfalls hält der Verfasser es für höchst unwahrscheinlich, daſs in diesem Falle das Capillarimeter etwas anderes als Fuselöl anzeigt. Immerhin sollte man es nie unterlassen, bei Untersuchung eines Sprits beide Methoden, in manchen Fällen auch die vaporimetrische Methode (vgl. 1889 273 375) anzuwenden.

Zur Beurtheilung und Controle des Destillationsbetriebes durch Feststellung der Temperatur veröffentlicht Karl Huber als Fortsetzung seiner ersten Arbeit (vgl. 1889 273 323) in dem Bericht der österreichischen Gesellschaft zur Förderung der chemischen Industrie, Bd. 11 S. 26, eine weitere Abhandlung, deren Ergebnisse der Verfasser wie folgt zusammenfaſst: Ziehen wir nun das Schluſsresultat unserer Betrachtung, so kommen wir zur Erkenntniſs, daſs: 1) jeder Destillationsprozeſs sich mit Hilfe des Thermometers verläſslich verfolgen läſst, 2) der Vorgang der Destillation in jedem Theile eines beliebig construirten Apparates sich verfolgen und rechnungsmäſsig darstellen läſst, 3) daſs diese Art den Destillationsprozeſs zu verfolgen, uns die Bestimmung des Leitungscoefticienten an die Hand gibt, uns somit lehrt, wie die maſsgebenden Gröſsen des Apparates dimensionirt werden müssen, 4) uns das Mittel an die Hand gibt, durch Benutzung der mechanischen Wärmetheorie, aus dem Moleculargewichte und der hieraus gerechneten Dampfdichte die Destillationsbedingungen und die Construction der Apparate, welche geeignet sind, für eine beliebige chemische Verbindung, welche sich überhaupt verdampfen läſst, kennen zu lernen, 5) uns insbesondere lehrt den wichtigsten Specialfall der Destillation, also die Destillation des Alkohols, einer rechnungsmäſsigen Feststellung zu unterziehen.

Verfahren zur Gewinnung von reinem Aethylalkohol aus Rohspiritus, von C. L. Th. Müller in Berlin (Illustrirtes österreichisch-ungarisches Patentblatt, Bd. 9 S. 225, Privilegium vom 15. April 1889). Das Verfahren beruht auf der bekannten Eigenschaft der Aldehyde und anderer Fuselöle, in gewissen Salzlösungen schwerer löslich zu sein als der Aethylalkohol. Die Patentansprüche lauten: 1) Das Verfahren zur Gewinnung von reinem Aethylalkohol aus Rohspiritus, darin bestehend, daſs letzterer durch einen oder mehrere Behälter geleitet wird, in welche eine Lösung von kohlensaurem Natron und Kali oder Kalium- oder Natriumhydroxyd, Natrium-, Kalium-, Magnesium-, Zinksulfat, Kali- oder Ammoniakthonerdealaun oder Natriumphosphat unter genügendem Druck strahlenförmig einströmt und nachdem sie auf ihrem Wege reinen Aethylalkohol aufgenommen hat, an geeigneter Stelle abgeleitet wird, um dann durch Destillation den reinen Aethylalkohol zu gewinnen. 2) Das Verfahren zur Gewinnung von reinem Aethylalkohol aus Rohspiritus, darin bestehend, daſs letzterer unter Druck strahlenförmig