Text-Bild-Ansicht Band 275

Bild:
<< vorherige Seite

VIII. Allgemeines und Theoretisches.

Die Bestimmung der Molekulargewichte der Kohlehydrate von T. H. Brown und G. H. Morris. Hierüber berichtet die Zeitschrift für Spiritusindustrie, Bd. 12 S. 207, nach Sitzungsbericht der Chemical Society vom 6. Juni 1889 wie folgt: „Die Verfasser machen zunächst darauf aufmerksam, daſs die in ihrer ersten Abhandlung gegebenen Resultate von Tollens und Mayer und von de Vries bestätigt worden sind. Sodann geben sie die mittels Raoult's Methode für folgende Kohlehydrate erhaltenen Resultate

Galaktose
berechnet für C6H12O6 gefunden (Mittel)
A 0,106 0,1073
M 180,0 177,0
Inulin
berechnet für 2(C36H62O31)
A 0,0096 0,0087
M 1980,0 2176,0

Kiliani gibt dem Inulin die Formel C36H62O31, welche indeſs nach obigem Resultat zu verdoppeln ist. Die Verfasser haben bereits auf die groſse Aehnlichkeit zwischen Amylodextrin und Inulin hinsichtlich ihrer physikalischen Eigenschaften hingewiesen und sind geneigt, beide Stoffe als nahe analog in der Zusammensetzung zu betrachten

(C12H22O11)2.(C12H20O10)4 C12H22O11.(C12H22O10)6
Inulin; M = 1980 Amylodextrin; M = 2286.

Obgleich die Amylin- und Amylongruppen in ihnen sehr verschiedene optische und andere Eigenschaften besitzen, und die Producte der Hydrolyse mit verdünnter Säure sehr verschieden sind.

Maltodextrin.
berechnet für C12H22O11(C12H20O10)2 gefunden (Mittel)
A 0,0191 0,0197
M 990,0 965,0

Stärke. Raoult's Methode lieſs sich auf Stärkepaste nicht anwenden. Lösungen der löslichen Stärke gaben eine so geringe Depression, daſs keine sicheren Resultate erhalten wurden, eine Anzahl ziemlich übereinstimmender Ergebnisse deutete indeſs auf ein Molekulargewicht von 20000 bis 30000. Um zu ermitteln, ob diese Unsicherheit des Resultats auf ein hohes Molekulargewicht oder darauf zurückzuführen ist, daſs die Methode bei colloiden Stoffen versagt, wurde eine Arabinsäure vom Rotationsvermögen [α]j = + 61,16° untersucht. Dieselbe ergab A = 0,0265, M = 717,0. Hiernach ist es wahrscheinlich, daſs der durch lösliche Stärke ausgeübte geringe Einfluss auf dem hohen Molekulargewicht derselben beruht. Die Verfasser untersuchten weiter die Dextrine. Sie haben bereits gezeigt, daſs beim Abbau der Stärke durch Diastase ein Ruhepunkt erreicht wird, wenn der Betrag an erzeugtem Dextrin ⅕ vom Gewicht der angewandten Stärke entspricht, und daſs das Molekül dieses beständigen Dextrins ⅕ von der Gröſse des Stärkemoleküls ist, aus welchem dasselbe entstand. Bestimmungen mit mehreren Proben dieses niedrigen Dextrins gaben folgende mittlere Werthe: