Text-Bild-Ansicht Band 274

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anderen Kolbens münden; endlich die Oeffnungen d1 d2 mit den abwärtsführenden Kanälen f1 f2 verbunden sind, deren Verlängerung unter den jedesmaligen anderen Kolben führt. Man erkennt nun leicht, daſs die Kreuzverbindung des Kolbens I, wenn sie zur Wirkung kommt (entsprechend der Zeichnung), auf dem Wege a1 c1 e1 Druckwasser über den Kolben II gelangen läſst, dem unter dem Kolben II befindlichen Wasser aber auf dem Wege f1 d1 b1 Abfluſs gestattet, die Kreuzverbindung bei I veranlaſst also, daſs Kolben II sinkt. Durch Herstellung der Winkelverbindung werden Aus- und Einströmung verwechselt. Es tritt durch a1 d1 f1 Wasser unter den Kolben II, während das über demselben befindliche Wasser durch e1 c1 b1 entweicht. Die. Winkelverbindung bei I veranlaſst also, daſs der Kolben II steigt. Die um 90° voreilende Kurbel I durchläuft ihren unteren Halbkreis, während der Kolben II sinkt, ihren oberen, wenn II steigt. Die Hubwechsel von II entsprechen also jedesmal der Mittelstellung von I. In dieser sind aber alle Kanäle geschlossen, während bei Stellung von I unter Mitte (unterer Kurbelhalbkreis) die Kreuzverbindung, bei Stellung von I über Mitte (oberer Kurbelhalbkreis) die Winkelverbindung hergestellt ist. Ganz ähnlich steuert nun der Kolben II den Kolben I; nur sind die Kanalverbindungen hier umgekehrt, da II um 270° gegen I voreilt.

Durch die Kurbelbewegung werden die Kolben gezwungen, bestimmte Hublängen zu durchmessen, so daſs also jeder Umdrehung der Kurbel eine bestimmte Wasserdurchgangsmenge entspricht. – Das regelmäſsige Schmieren des Schmid'schen Wassermessers muſs sorgfältig beachtet werden. Dasselbe sollte wiederholt während der Betriebszeit und insbesondere kurz vor jeder längeren Betriebspause bewirkt werden. Man öffnet zu diesem Zwecke den Schmierhahn und schraubt das Schmiergefäſs n kräftig zwei bis drei ganze Umgänge herunter, wodurch eine genügende Menge Fett an alle gleitenden Flächen gelangt.

In dem nun folgenden Kesselhause sind drei Schmid'sche Wasserrohrkessel (vgl. 1886 261 * 2) von Huldschinsky Söhne in Gleiwitz ausgestellt, sowie zwei Wasserrohrkessel von Breda und Comp. in Schkeuditz-Leipzig (vgl. 1885 257 82 und 1888 269 * 483).

Zwei Schmid'sche Kessel haben je 62qm Heizfläche, der dritte 173qm. Die Breda-Kessel haben je 84qm Heizfläche.

Die Kessel dienen zum Betriebe der Dampfmaschinen für den von Siemens und Halske angeordneten elektrischen Lichtbetrieb der gesammten Ausstellung.

Der eine Breda-Kessel ist insofern bemerkenswerth, als er einen nicht weniger als 3m langen Rost besitzt, dessen Bedienung naturgemäſs ungewöhnliche Anstrengung des Heizers verlangt. Weshalb diese wunderbare Anordnung getroffen wurde, konnte nicht ermittelt werden.

An dem Schmid'schen Kessel ist die patentirte neue selbsthätige Speiseregulirung bemerkenswerth. Wie beigedruckte Textfigur erkennen