Text-Bild-Ansicht Band 274

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Der aufgestellte Dürr-Kessel gehört zu den angestrengtesten Kesseln der Ausstellung, da er viel zu kleine Abmessungen hat, um die groſse Menge von ihm beanspruchten Dampfes liefern zu können.

Trotzdem der Kessel, wie gesagt, guten Wasserumlauf hat und der Schlamm sich zumeist nur im Oberkessel absetzen wird, ist doch für das Kesselwasser eine Reinigungsvorrichtung vorgesehen, welche von Dehne in Halle a. d. S. ausgestellt ist.

Bei dieser Reinigungsvorrichtung, welche getrennt vom Kessel aufgestellt ist, wird als Fällmittel für den Schlamm Aetznatron und Soda in einer gewissen Mischung verwendet. Das zu reinigende Speisewasser wird zunächst durch einen Vorwärmer auf die Temperatur von 70 bis 80° gebracht, in welcher es durch die Chemikalien am leichtesten und zweckmäſsigsten angegriffen wird. Die Lauge aus Aetznatron und Soda wird nun durch eine Speisepumpe, deren Hubzahl der der Speisepumpe für das Kesselwasser genau angepaſst ist, in einen Mischkasten gebracht, in welchem die Ausscheidung des Schlammes vor sich geht. Dieser wird beim Durchlaufen der Flüssigkeit durch eine Filterpresse in dieser zurückgehalten und als Kuchen gewonnen.

Ein ebenfalls zu klein gewählter, übermäſsig und namentlich sehr ungleichförmig in kurzen Zwischenräumen angestrengter Kessel ist der im Theater aufgestellte Wasserröhrenkessel von Büttner und Comp. in Uerdingen (vgl. 1885 257 * 1. * 5). Dieser Kessel, welcher 76qm Heizfläche hat, besteht ausschlieſslich aus Wasserröhren von 10cm Durchmesser ohne Dampfsammler und Oberkessel. Derselbe gleicht vollständig einem Root'schen Röhrenkessel. Die schräg gelagerten Wasserröhren werden von den im Zickzack geleiteten Feuergasen durchstrichen. Das Speisewasser wird in beide Enden des unteren Querrohres eingeführt, um Verstopfungen desselben zu vermeiden.

Der Kessel hat 90 Rohre von 2500mm Länge, welche in einer Neigung von 1 : 4 liegen.

Interessant an der Kesselfeuerung ist die Anordnung eines Gebläses in Form eines gewöhnlichen Ventilators von 600mm Flügeldurchmesser, welches bei 600 Umläufen in der Minute 95cbm Luft in den Aschenraum der Feuerung einblasen kann, um dieselbe zu forciren. Vor dem Oeffnen der Feuerthüren bei Beschickung des Rostes tritt der Heizer auf eine Fuſsplatte und schlieſst hierdurch die Luftzuführung, um ein Herausschlagen der Flamme zu verhindern.

Das Gebläse wird durch elektrische Uebertragung betrieben.

Zur Klasse der Wasserröhrenkessel müssen auch die Zwergkessel von Altmann und Comp. in Berlin, sowie von Lilienthal in Berlin gerechnet werden. Die erstere Anordnung ist unter dem Namen Hoffnieister-Motor bekannt. Der Kessel besteht aus einem flachen Oberkessel, aus welchem die Wasserröhren nach unten durch die Feuerung abgebogen sind, so daſs sie mit beiden Enden vom Boden des Oberkessels