Text-Bild-Ansicht Band 274

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intermediär ein Natrium- bezieh. Kaliumplumbat entstehen würde. Da letztere indessen nur bei verhältniſsmäſsig niedriger Temperatur beständig sind, bei höherer aber in Sauerstoff, Bleioxyd und Alkalioxyd zerfallen, so müſste durch eine derartige Nebenreaction thatsächlich eine Rückbildung bereits entstandenen Erdalkaliplumbats eintreten bezieh. sich die Unmöglichkeit ergeben, bei Anwesenheit erwähnter schmelzbaren Carbonate ein völlig reines, hundertprocentiges Präparat zu erzielen.

Die aus reinem Materiale bereitete Verbindung zeigte durch ihr Verhalten gegen verdünnte Salpetersäure, daſs sie der Formel Sr2PbO4 entsprach, mithin bleisaures Strontium war; es entstand nämlich weder ein erhebliches Aufbrausen, noch wurde das saure Filtrat durch Schwefelwasserstoff gefällt, sondern gab mit diesem nur eine bräunliche Färbung.

III. Bleisaures Calcium.

Wenn die in der Einleitung ausgesprochene Absicht, für den von mir als Oxydationsmittel empfohlenen mangansauren Baryt einen geeigneteren Ersatz zu finden, für die Praxis irgend welchen Erfolg haben sollte, so war darauf Bedacht zu nehmen, ein möglichst wohlfeiles Material auszuwählen.

Wenn es daher gelang, analog dem bleisauren Baryt und Strontian auch einen bleisauren Kalk von der Formel Ca2PbO4 darzustellen, konnte dieser Theil der Aufgabe wohl als gelöst angesehen werden, da kaum ein anderer in der chemischen Technik benutzter Stoff so billig zu stehen kommt wie gerade der Kalk. Sehen wir daher zu, inwieweit die Bereitung des bleisauren Calciums gelungen ist und wie sie sich von der jener anderen beiden Plumbate unterscheidet.

Ich nahm auch hier wieder das bekannte Verhältniſs, 2 Aequivalente Calciumcarbonat und 1 Aequivalent Bleioxyd, und erhitzte die innige Mischung beider Körper im offenen Tiegel über der Bunsen-Flamme.

Es zeigte sich hier in der ersten Hälfte der Operation, daſs die Masse wie ein schwach feuchtes Pulver an der Wandung und an dem Rührstabe adhärirte, um erst später trockener und damit auch leichter beweglich zu werden. Ja die Mischung erschien dann zu einem gewissen Zeitpunkte so leicht flüssig wie Semen Lycopodii und kam selbst zum Stäuben, wenn man sie zu heftig durchrührte. Ohne Zweifel hängt diese letztere Erscheinung mit dem Entweichen der Kohlensäure zusammen, durch welche die Masse recht porös und ihre einzelnen Theilchen von einander getrennt werden. Denn nähert sich die Oxydation ihrem Ende, so wird der Inhalt des Tiegels auch wieder dichter und nimmt dann einen bemerkbar kleineren Raum ein, als ihn die Mischung am Anfange und in der Mitte des Prozesses besessen hatte. Auf diese Weise gelang es, wenn der Tiegel nicht weiter als bis zur Hälfte gefüllt war, in etwa einer Stunde das Präparat fertigzustellen, was daran