Text-Bild-Ansicht Band 274

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zu Ende in der erforderlichen Weise mit den Fasern des Holzes gearbeitet wird, so ist ein Wechsel dieser Arbeitsrichtung nicht nöthig, und einseitig wirkende Werkzeuge entsprechen deshalb dem Bedürfnisse. Dieselben können aber selbstredend aus einem einzigen Stücke gearbeitet werden, wenn man dies auch aus Gründen ökonomischer Herstellung und bequemer Instandhaltung, vielleicht mit Ausnahme regelmäſsiger Werkzeuge zur Anfertigung der Nuthen und Spunde, nicht thun wird. Beim Fräsen geschweifter Kanten, die bald abfallend, bald steigend durch die Fasern des Holzes gehen, muſs die Drehrichtung des Werkzeuges, der Richtung der Contour zu den Holzfasern angepaſst werden und muſs man entweder zwei gesonderte Werkzeuge von gleichem Profil, jedoch entgegengesetzter Drehrichtung zur Verfügung haben, oder ein zweiseitig arbeitendes Werkzeug auf einer Spindel benutzen, deren Drehrichtung man im gegebenen Augenblicke wechseln kann. Die letzterwähnte Arbeitsweise ist die gewöhnliche.

Seiner Natur nach ist das Fräsen bezieh. Kehlen nichts anderes als ein schnell auf einander folgendes kreisförmiges Schneiden mittels eines entsprechend profilirten Messers, und es sind nur verschwindend kleine Theile der Schnittbahnen, aus welchen sich das endgültige Profil zusammensetzt. Wie stets beim Schneiden des Holzes, gilt als hauptsächliche Regel, daſs mit der Härte des Holzes sowohl der Schneidenwinkel als auch der Anstellungswinkel zunimmt.

In der nachfolgenden Zusammenstellung sind nur die fast ausschlieſslich zum Fräsen und Kehlen benutzten rotirenden Werkzeuge berücksichtigt. Man verwendet auch in ganz seltenen Fällen, und zwar zum Herstellen feiner Leisten aus edlen Holzarten, feststehende, ebene Werkzeuge, welche am Ende mit dem Profile versehen sind und fast senkrecht zum Holze stehen, das in einer Geradführung mittels Zahnstangengetriebe unter allmählicher Nachstellung des mehr kratzenden als schneidenden Werkzeuges vorwärts bewegt wird.

(Fortsetzung folgt.)

Paul Simon's Walzverfahren zur Herstellung von Tafel- und Spiegelglas; von Dr. Emil Tscheuschner.

Mit Abbildungen.

Seit der groſsen von Lucas de Nehou gegen das Ende des 17. Jahrhunderts hervorgerufenen Umwälzung in der Fabrikation des Spiegelglases durch Einführung des Gieſsverfahrens in diese hat die Erzeugung von Glastafeln, sofern man die formgebende Behandlungsweise ausschlieſslich im Auge behält, nichts Neues aufzuweisen, obschon es an älteren und jüngeren Vorschlägen hierzu keineswegs mangelt. In diesen letzteren tritt insbesondere mehrfach die Idee zu Tage, das Glas in dem zähflüssigen, plastischen Zustande, in welchem die bei höherer Temperatur gebildete und geläuterte Schmelze durch mäſsige Abkühlung übergeführt werden kann und in welchem sie, wie in der Tafelglasfabrikation, auch auf dem gesammten Gebiete der Hohlglasfabrikation durch das Blasen zur Verarbeitung gelangt, zu Platten von beliebiger Flächenausdehnung und Stärke auszurecken, indem man dasselbe in ähnlicher Weise, wie dies bei der Herstellung von Metallblechen der Fall, nach und nach eine Reihe rotirender Walzenpaare mit allmählich abnehmenden Walzenabständen passiren läſst. Schon G. Mackay wollte 1854 zu dem Ende mehrere Walzenpaare mit wagerecht neben einander liegenden