Text-Bild-Ansicht Band 274

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Setzmaschine wieder vorgelegt werden. Folgen bei diesem Ueberschieben zwei Lettern desselben Buchstabens auf einander, so werden beide unmittelbar hinter einander übergeschoben. Da die Scheibe L ungefähr eine Umdrehung in 1½ Minuten macht, kann der Arbeiter das Einfüllen des abzulegenden Satzes während des Umlaufs vornehmen. Wie weit sich dieses Ueberschieben der Lettern glatt vollzieht, kann natürlich nur die Praxis entscheiden; im Uebrigen erscheint die Maschine etwas sperrig und dürfte durch die wagerechte Bauart viel Raum einnehmen.

In ähnlicher Weise wie bei Thorne und Millan findet das Ablegen des Satzes bei der Maschine von R. Winder in Bolton statt (* D. R. P. Nr. 47469 vom 30. Oktober 1888). Auch hier werden mit besonderen Signaturen versehene Typen vorausgesetzt, die einzeln vom abzulegenden Satz auf ein schräges Letternbrett gleiten und hier der Einwirkung von mit Daumen besetzten Armen derart unterliegen, daſs die Daumen bei Uebereinstimmung mit den Lettern-Signaturen durch die letzteren hindurchtreten und dadurch die Letter freigeben, die darauf durch ihr Eigengewicht in den Setzkasten gleitet.

Gegenüber diesen, besondere Lettern bedingenden Constructionen hat die Ablegemaschine von F. Praunegger in Graz (* D. R. P. Nr. 45056 vom 4. November 1887) den Vortheil, für gewöhnlichen Satz verwendbar zu sein, welchem Vortheil allerdings eine gröſsere Complicirtheit als Nachtheil gegenüber steht. Die Maschine bildet eine völlige Umkehrung der weiter oben genannten Setzmaschine desselben Erfinders, so daſs wieder ein Lettern-Lostrennapparat und der in der Mitte der Maschine gelagerte, wagerecht schwingende Lettern-Transporthebel die charakteristischen Theile der Maschine bilden. Der nur wenig abgeänderte Lettern-Lostrennapparat nimmt wieder die vorderste Letter des abzulegenden Satzes in sich auf, und bricht bei jeder Umdrehung der Maschine eine Letter vom Satze ab, welche darauf in den Behälter des Transporthebels fällt. Ungefähr zur gleichen Zeit, wo das Lostrennen der vordersten Letter erfolgt, muſs die entsprechende Taste der Klaviatur angeschlagen werden, so daſs der Transporthebel mit der empfangenen Letter durch den früher beschriebenen Antrieb nach rechts oder links aus seiner Mittellage ausschwingt, bis er vor dem der betreffenden Letter entsprechenden Fache aufgehalten wird und hier die Letter freigibt, welche nun in ihren Kanal gleitet.

Dem Vortheil der Maschine, für gewöhnlichen Satz verwendbar zu sein, ist noch hinzuzufügen, daſs auch der Lettern-Trennapparat einfach ist, und gegenüber den für Typen mit besonderen Signaturen bestimmten, selbsthätig arbeitenden Mechanismen nicht leicht in Unordnung gerathen dürfte. Dem gegenüber fallen allerdings die diesem Lettern-Ablegesystem anhaftenden höheren Betriebskosten wesentlich ins Gewicht, da bei nahezu gleichem Zeitaufwand die Maschine mehr als einer Person zur Bedienung bedürfen wird.