Text-Bild-Ansicht Band 274

Bild:
<< vorherige Seite

bestehen aus zwei auf einander gleitenden keilförmigen Stücken, von denen die kleineren Keile zwischen den Matrizen sitzen, während die langen Theile selbsthätig zwischen die Matrizen eingeschoben werden, bis die Zeile die vorgeschriebene Breite erreicht. Dann wird die Matrizenzeile vor die Oeffnung des Gieſsapparates gebracht (Fig. 18) und ein Druck auf den Kolben der Gieſspumpe vollendet den Guſs. Das Metall wird dabei auf der geeigneten Temperatur mittels eines Thermometers erhalten, das selbsthätig den Gaszufluſs regelt. Nach erfolgtem Gusse wird die Zeile glatt geschnitten und hat dann die in Fig. 19 gezeigte Gestalt, welche Zeile das Wort „Engineering“ darstellt. Eine derartige Zeile kann dabei, wenn dies erwünscht, selbsthätig beliebig oft hinter einander gegossen werden. Die fertigen Zeilen werden nun ausgestoſsen und nach einem senkrechten, in der Textfigur vorn bei A ersichtlichen Rahmen befördert, in dem sich Zeile auf Zeile fegt, bis eine Columne fertig ist.

Nach erfolgtem Gusse werden die Matrizen an einer Führung C nach dem oberen Theile B der Maschine emporgehoben, mittels eines Hebels, der von einer Nuthcurvenscheibe bethätigt wird und links in der Textfigur ersichtlich ist. Hier werden die Matrizen von gitterförmigen Greifern B an einer V-förmigen Schiene entlang geführt, welch letztere den zahnförmigen Einschnitten d der Matrizen (Fig. 14) entsprechend gezahnt ist, deren Zähne indeſs derart theilweise weggeschnitten sind, daſs die Matrize ihrem zugehörigen Rohre gegenüber ihren Halt verliert und in ihren Kanal hineinfällt. Damit ist die Matrize dann wieder zum Gebrauche bereit gestellt.

Die Maschine arbeitet mit groſser Genauigkeit und mit einer Geschwindigkeit von 5000 „m's“ in der Stunde, und es ist selbstverständlich, daſs eine Maschine mit einer derartigen Leistung und bei den Arbeiten, die sie auszuführen hat, sorgfältig gebaut sein muſs. Zu bemerken ist ferner, daſs die Maschine bei irgend welchen Unregelmäſsigkeiten auf elektrischem Wege abgestellt wird, und daſs sie verhältniſsmäſsig wenig Raum einnimmt, da sie ungefähr 1m,5 lang, 0m,9 breit und 1m,5 hoch ist (Engineering, 1889 Bd. 47 S. 729).

Gegenüber dem weitverbreiteten und zum Theil ja auch berechtigten Miſstrauen der betheiligten Kreise gegenüber derartigen Maschinen ist als gutes Zeugniſs für die Mergenthaler'schen Maschinen zu erwähnen, daſs in Amerika gegen 130 Maschinen in Gebrauch sind, und wird u.a. die New York Tribüne ganz auf der Mergenthaler'schen Maschine gesetzt. Dieser Satz ist auch ihr eigenstes Gebiet, und ist sie zum Setzen von Original-Manuscripten, in denen häufig sehr einschneidende Correcturen vorgenommen werden, natürlich nicht recht geeignet. In London, wo zwei Maschinen in der Druckerei des Railway Herald arbeiten, findet augenblicklich eine lebhafte Erörterung über den Werth der Maschine statt und es muſs natürlich abgewartet werden, wie weit