Text-Bild-Ansicht Band 273

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Ofen war der von Fletscher; Verfasser beschrieb die Einrichtung desselben. In erster Linie wurde getrachtet, die chromatischen Differenzen der sphärischen Aberration zu beseitigen. Die Möglichkeit dazu war gegeben durch die Borsäure, welche eine specifische Contraction des blauen, bezüglich Erweiterung des rothen Endes des Spectrums veranlaſst, durch das Fluor, das Kalium und Natrium, welche in umgekehrtem Sinne ihre Wirkung geltend machen. Bei allen übrigen Elementen ist der Gang der Dispersion der gewöhnliche, wie bei den Silicatgläsern. Da die Flintgläser eine Drehung nach dem blauen Ende des Spectrums zeigen, so ist in diese Borsäure einzuführen; thatsächlich wurde dieselbe die Grundlage für Flintgläser, die eine Verminderung des secundären Spectrums geben sollen. Für Crowngläser wäre der Gehalt an Kalium zu erhöhen; da man davon aber nicht mehr als 30 Proc. in das Glas einführen kann, wurden Versuche mit Fluor angestellt; letzteres läſst sich in groſser Menge in Phosphatgläser einführen. Da man aber von silicatischen Schmelzgefäſsen absehen muſste wegen der Entwickelung von Fluorsilicium, und selbst aus Platingefäſsen Fluorverbindungen entweichen, muſste von weiteren Versuchen abgesehen werden.

Die Phosphorsäure gibt mit vielen Metalloxyden Gläser, deren Dispersion gering und deren Brechungsexponent groſs ist; diese mit Borsäure-Flintgläsern combinirt können Fernrohrobjective geben, bei denen fast das ganze secundäre Spectrum verschwindet.

Bei Boraten und Phosphaten dürfen die Alkalien nur in sehr geringer Menge verwendet werden, da sonst eine Zerstörung der Politur durch Einfluſs der Atmosphärilien unvermeidlich ist. Durch Zusatz gröſserer Procentsätze von Thonerde, Zinkoxyd u.s.w. konnten hygroskopische Gläser brauchbar gemacht werden. Da die Grenzen der Zusammensetzung, innerhalb welcher glasige Erstarrung vor sich geht, enge gezogen sind, konnten viele Elemente bei solchen Gläsern nicht angewendet werden, deren Zusatz in optischer Hinsicht sehr wünschenswerth wäre. Für Phosphate gab die Beobachtung, daſs Magnesia, Thonerde und Kali die geringste Dispersion liefern, zur Herstellung eines Crownglases Veranlassung, dessen Dispersionswerth weit unter dem der bisher angewendeten Glasflüsse stand. Baryt und Phosphorsäure geben Crowngläser mit niedriger Dispersion und Abstufungen im Brechungsindex von 1,55 bis 1,59.

Die Herstellung von schlierenfreien Gläsern war besonders schwierig; Porzellantiegel mit Rührvorrichtung erwiesen sich als unbrauchbar; selbst ein Platintiegel von 3l Inhalt ging zu Grunde. Platingefäſse lassen sich nur für Borat, nicht für Phosphatgläser anwenden, da letztere das Platin metallisch lösen und bei der Abkühlung in grauem Zustande ausscheiden. Zur Abkühlung der geschmolzenen Gläser wurde eine ganz neue Methode eingeführt: Statt wie bisher die Kühlung durch Ausstrahlung und Mittheilung eines im Mauerwerke gesammelten gröſseren Wärmevorrathes