Text-Bild-Ansicht Band 273

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zu bewirken, wurde dieselbe durch automatische Regulirung einer sich stetig vermindernden Wärmequelle bewirkt. Ein cylindrischer Kupferkessel – das Kühlgefäſs – liegt im Strome einer groſsen Gasflamme und steht in Verbindung mit einem Quecksilberdampfdruckthermometer. Man kann dadurch eine bestimmte Temperatur beliebig lang andauern lassen und auch den Abfall der Temperatur beliebig lange ausdehnen; dies ist in diesem Falle sehr wichtig: Die Maximaltemperatur, bei der jedes Glas die vorhandene Spannung auslöste, war 465° C., die Minimaltemperatur, unterhalb welcher jedes Glas vollkommen erhärtet, ist 370° C. Das Intervall 370° bis 465° C. umfaſst also die Erstarrungstemperaturen aller bekannten Gläser. Dieser Abfall von 95° C. wurde von wenigen Tagen auf 4 Wochen ausgedehnt, und es wurden Kühlungsresultate erhalten, die weitaus günstiger sind, als alle bisherigen.

Hierauf wurden die Einrichtungen und Operationen des Betriebes besprochen. Der Vortragende hat an der Pütsch'schen Wechselhaube eine Neuerung eingeführt, die gestattet, den Wechsel des Gasstromes mit Gas und Luft gleichzeitig vorzunehmen. In den glühenden Hafen werden Glasbrocken eingeworfen, nachdem diese geschmolzen, wird der Glassatz in mehreren Parthien zugefügt; vor Zusatz der letzten Parthie wird zweckmäſsig „geblasen“. Das Lauterschüren dauert 6 bis 8 Stunden und ist mit groſser Vorsicht durchzuführen. Nach dem Abfeinen wird der eigenthümlich construirte Rührer in das Glas gebracht, hier längere Zeit gelassen und nach Verlauf einer Stunde zum Durchmischen der Masse auf und ab bewegt. Nachdem die Masse durch Abkühlung zähflüssig geworden, zieht man den Hafen aus dem Ofen und bringt ihn in den Temperofen, woselbst er nach 3 Tagen völlig abgekühlt ist. Die Bruchstücke des Glases werden sorgfältig sortirt und die brauchbaren in Chamottekapseln bis zum beginnenden Schmelzen erhitzt, um ihnen passende Formen zu geben, und schlieſslich nach zehn- bis zwölftägigem Abkühlen geschliffen und auf Schlieren u.s.w. geprüft. Zum Schlusse sprach der Vortragende noch über seine Beobachtungen über Thermometerglas (vgl. 1886 260 94 und Sprechsaal, Jahrg. 21 S. 920, 939, 958 und Jahrg. 22 S. 118).

F. Mylius gibt ein neues Verfahren zur Prüfung des Glases durch Farbreactionen an (Zeitschrift für Instrumentenkunde', 1889 S. 50). Nachdem Verfasser sich überzeugt hatte, daſs eine Mischung von klarer Stärkelösung mit reiner, wässeriger Jodlösung durch Glaspulver sofort gebläut wird (JK gibt Veranlassung zur Bildung von Jodstärke), schritt er zur Ausbildung einer Methode, durch die die Oberflächenbeschaffenheit der Gläser in schärfster Weise geprüft werden kann. Als Grundlage dieser Methode diente die Thatsache, daſs feuchter Aether durch seinen Wassergehalt zerstörend auf die Gefäſswände einwirkt (vgl. Weber, 1889 273 41), indem dem Glase Alkalisilicat entzogen wird, das sich auf der Oberfläche ansetzt. Um nun das lösliche Silicat dem