Text-Bild-Ansicht Band 273

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Auge sichtbar zu machen, wird dasselbe mit ätherischer Eosinlösung in Berührung gebracht. Die angegriffene Stelle des Glases färbt sich durch Bildung des Kali- oder Natronsalzes von Eosin purpurroth. Bei Anwendung von Jodeosin, das besonders empfehlenswerth, spielen sich folgende Reactionen ab:

I. Na2O(SiO2)x + H2O = 2NaHO + xSiO2

II. 2NaHO + C20H8J4O5 = C20H6Na2J4O5 + H2O.

Man sollte eigentlich die zu prüfenden Glasgegenstände mehrere Stunden mit wasserhaltigem Aether stehen lassen und diese Flüssigkeit für einige Minuten durch ätherische Eosinlösung ersetzen. Zweckmäſsiger ist es aber, die Eosinlösung sogleich zuzufügen; diese wird hergestellt durch Schütteln von käuflichem Aether mit Wasser bei gewöhnlicher Temperatur und durch Zusatz von 0g,1 Jodeosin zu 100cc dieser Flüssigkeit.

Glasgegenstände, deren Oberfläche geprüft werden sollen, müssen durch sorgfältiges Abspülen mit Wasser, Alkohol und Aether von den anhaftenden Verwitterungsproducten gereinigt werden, und kommen sogleich mit Eosinlösung in Berührung. Es ist vortheilhaft, die Einwirkung jedesmal 24 Stunden andauern zu lassen. Der Glasgegenstand wird dann mit Aether abgespült. Je nach der Angreifbarkeit ist nun die Oberfläche mit einer mehr oder weniger intensiv gefärbten Schicht bekleidet, welche gewöhnlich durchsichtig, nur bei sehr schlechten Gläsern undurchsichtig trübe erscheint. Die bleihaltigen Gläser erscheinen besonders stark angegriffen. In der Originalabhandlung sind zur Erläuterung des Textes Farbentafeln beigegeben. Verwitterungserscheinungen geben sich durch solche Prüfung deutlich kund. Ein Glasrohr nach Warburg (Wiedemann's Annalen, Bd. 21 S. 622) der Elektrolyse unterworfen, zeigt sich an der Berührungsstelle der Anode gegen Eosinlösung unempfindlich, an der der Kathode wird es stark gefärbt. Durch mehrtägige Behandlung von schlechtem Glase mit Wasser und nachheriges Erhitzen auf 300 bis 400° C. kann diesem eine völlig widerstandsfähige Oberfläche gegeben werden. Das beste Glas färbt sich auf frischen Bruchflächen mit Eosinlösung sogleich, ein Beweis, wie locker die Bestandtheile des Glases mit einander verbunden sind.

Gasofen zu Probeschmelzungen für Flüsse und Glasuren. Nach H. Röſsler ist in den kleinen Ofen ein durchlochter, unten abgerundeter Schmelztiegel a (Fig. 1) eingesetzt, welcher von oben gefüllt wird, ohne daſs man denselben aus dem Ofen zu nehmen braucht, während der geschmolzene Fluſs durch das Loch am Boden in ein untergestelltes Gefäſs mit Wasser läuft. – Trotz der Kleinheit des Apparates kann man doch in der Stunde mehrere Kilogramm Fluſs schmelzen, und der Gasverbrauch ist nur ein sehr geringer. Was den Ofen aber besonders brauchbar macht, ist eine einfache Vorrichtung, um die Masse erst dann abflieſsen zu lassen, wenn sie vollständig gleichmäſsig durchgeschmolzen