Text-Bild-Ansicht Band 273

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zweimal rechtwinklig gebogenes Glasrohr von etwa 1mm,5 Lichtweite, welches in ein Becherglas mit gefärbtem Wasser taucht, angeschmolzen. Das etwa 70cm lange Rohr ist an zwei Stellen kugelförmig angeblasen, die obere Kugel sichert vor einem Zurücksteigen der Flüssigkeit bei zu starker Abkühlung, die untere verhindert das Auftreten der Luft bei zu starker Erwärmung.

Man beginnt die Versuche mit der Bestimmung des Gefrierpunktes des Wassers; beim Eintauchen des Reagensrohres A in die Kältemischung und lebhaftem Rühren mit dem Rührer a steigt das gefärbte Wasser sehr rasch in dem engen Rohre, und da in der Regel Ueberkaltung eintritt, sinkt bei der beginnenden Eisbildung die Säule plötzlich auf eine bestimmte Höhe, auf welcher sie dann unverändert stehen bleibt. Auf diese Weise wird die Erscheinung sehr schön auch von der Ferne sichtbar, und man liest den Stand des gefärbten Flüssigkeitsfadens entweder auf einer papierenen Scala ab oder markirt ihn durch einen Gummiring.

Macht man jetzt den Versuch mit verschiedenen Lösungen, die in dem gleichen Volumen Wasser (etwa 100cc) molekulare Mengen verschiedener organischer Verbindungen enthalten, so stellt sich bei den einzelnen Bestimmungen die Flüssigkeitssäule ziemlich genau auf derselben Höhe ein, und zwar natürlich höher als bei Anwendung von reinem Wasser. Die Differenz betrug bei den Versuchen von Ciamician mit Lösungen von je 34g,2 Rohrzucker, 18g,2 Mannit, 5g,8 Aceton, 6g,0 Eisessig gelöst in 100cc Wasser mehrere Centimeter und war daher auch von der Ferne recht gut bemerkbar. Die Lösungen können während der Vorlesungen bereitet werden, und es läſst sich somit auf diese Weise recht schön zeigen, daſs isotonische Lösungen dieselbe Gefrierpunktserniedrigung besitzen.

Lösungsmittel.

Als lösende Mittel benutzte Raoult im Laufe seiner Untersuchungen Wasser, Benzol, Nitrobenzol, Aethylenbromid, Ameisensäure, Essigsäure, Thymol und Naphtalin.

In neuerer Zeit sind folgende Lösungsmittel in Anwendung gebracht worden.

Mol./Depression T
Wasser 19
Benzol 49
Eisessig 39
Phenol 76
Naphtalin 70 (80).

Da die Zahl der organischen Verbindungen, welche hinreichend in Wasser löslich sind, eine relativ geringe ist, so kann das Wasser als Lösungsmittel keine ausgedehnte Anwendung finden, und würde dasselbe vornehmlich bei der Bestimmung des Molekulargewichtes von Alkoholen, Phenolen und Säuren zu gebrauchen sein.44) Raoult schreibt

44)

Auwers, Berichte, XXI, 705.