Text-Bild-Ansicht Band 273

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In einer anderen Versuchsreihe fand nun eine einseitige Vermehrung der stickstofffreien Nährstoffe statt. Das Resultat war hier das umgekehrte, indem auch nicht in einem einzigen Falle von allen 15 zur Ausführung gelangten Versuchen durch eine Vermehrung der stickstofffreien Nährstoffe über das jetzt gebräuchliche Maſs hinaus ein günstiger Erfolg erzielt wurde. Bei den meisten Versuchen fand überhaupt keine Erhöhung der Production statt; aber auch bei den Versuchen, bei welchen eine Mehrproduction an Milch oder Lebendgewicht erzielt wurde, machte sich diese in keinem Falle bezahlt. Es ergibt sich aus diesen Versuchen, daſs die Wolff'schen Zahlen über das Quantum stickstofffreier Nährstoffe für die Praxis durchaus zutreffend sind, während die Normen für die stickstoffhaltigen Stoffe, wenigstens bei sehr wasserreicher Ernährung, zu gering bemessen sind. Als die wichtigsten Resultate aller Versuche ergeben sich folgende Sätze: 1) Die Darreichung extremer Schlämpegaben ist weder vortheilhaft für die Production, noch auch rentabel. 2) Die Thiere können in Form von heiſser Schlämpe innerhalb gewisser Grenzen mehr Wasser vertragen als in Form von anderen kalten, wasserreichen Futtermitteln. 3) Hierzu ist jedoch unerläſsliche Voraussetzung, daſs beim Verfüttern wasserreicher Futtermittel die Ration einen sehr hohen Stickstoffgehalt besitzen muſs. 4) Als zweckmäſsige Höhe der Gabe von stickstoffhaltigen Nährstoffen ist zwar noch nicht die extremste zu empfehlen, wohl aber ist zu erwarten, daſs 1k,5 stickstoffhaltige, verdauliche Nährstoffe auf 500k Lebendgewicht nicht zu viel sein werden, keinerlei Unzuträglichkeiten hervorrufen und die höchste und billigste Production leisten werden. (Der Referent kann noch hinzufügen, daſs die in noch gröſserem Umfange im Winter 1888 bis 1889 ausgeführten Fütterungsversuche die Resultate der vorjährigen Versuche durchweg bestätigt haben.)

In der an den Vortrag sich schlieſsenden Debatte bemerkt Professor Märcker auf eine Frage, bei welcher Temperatur man die Schlämpe verfüttern solle, daſs er es für zweckmäſsig halte, dieselbe so heiſs wie möglich zu verabreichen (Neuhauss-Selchow gibt 50 bis 60° als die geeignetste Temperatur an), v. Bockelberg-Schönow berichtet über seine Erfahrungen, welche er bei der Verfütterung der Süſsmaische oder Kunstschlämpe (vgl. 1888 269 332), einem Futtermittel, welches bei der jetzigen Steuergesetzgebung sehr an Bedeutung gewinnt, gemacht hat. Er hat Anstoſs genommen an der dünnen Beschaffenheit dieses Futters, hervorgerufen durch einen gröſseren Malzzusatz, und hält dasselbe daher für geringwerthiger. Märcker macht auf das Unzutreffende dieser Ansicht aufmerksam; durch das Malz wird die Stärke gelöst, daher die Masse dünnflüssiger, die Nährstoffe bleiben natürlich dieselben, werden im Gegentheile durch mehr Malz noch vermehrt. Im weiteren Verlaufe der Debatte wird noch das Aufkochen der Süſsmaische, um dieselbe haltbar und bekömmlich zu machen, als dringend nothwendig bezeichnet.