Text-Bild-Ansicht Band 273

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(Der Referent möchte noch hinzufügen, daſs bei einem in diesem Jahre ausgeführten Versuche an Milchkühen die Süſsmaische ein überraschend günstiges Resultat ergeben hat. Als ein Theil der Diffusionsrückstände durch Süſsmaische ersetzt wurde, fand bei gleichbleibenden Nährstoffmengen eine bedeutende Steigerung im Milchertrage statt.)

In der Zeitschrift für Spiritusindustrie, S. 65, 72, 81, werden noch andere Futtermischungen als Ersatz für die Schlämpe mitgetheilt, veranlaſst dadurch, daſs die Verfütterung von Süſsmaische bei hohen Kartoffelpreisen sich nicht rentiren soll.

Auf eine Verfälschung der getrockneten Schlämpe durch Reishülsen, welche Prof. Schulze in letzter Zeit mehrfach feststellen konnte, wird in der Zeitschrift für Spiritus- und Preſshefeindustrie, Bd. 9 S. 501, aufmerksam gemacht. Daſs durch die Beimengung der für die Ernährung ganz werthlosen Reishülsen eine bedeutende Verringerung des Nährwerthes der getrockneten Schlämpe verursacht wird, liegt auf der Hand.

Die Frage, ob eventuell im Futter des Milchviehs enthaltene flüchtige Fettsäuren in die Milch übergehen, erörtert Prof. Weiske in der Zeitschrift für Spiritusindustrie, Bd. 12 S. 8 (daselbst nach Der Landwirth). Bekanntlich beobachtet man bei manchen Futtermitteln einen ungünstigen Einfluſs auf den Geschmack der Milch. Zu diesen Futtermitteln gehören unter anderen auch solche, welche Säuren enthalten, wie z.B. Schlämpe, Sauerfutter u.s.w., und bei diesen will man auch vielfach gefunden haben, daſs die Milch der mit ihnen ernährten Thiere leicht säuert. Dieses hat zu der Vermuthung geführt, daſs die Säure dieser Futtermittel direkt in die Milch übergehe und das Säuern derselben, sowie den schlechten Geschmack verursache. Exacte Versuche von Soxhlet haben jedoch gezeigt, daſs diese Ansicht unrichtig ist und daſs die ungünstige Wirkung auf die Milch vielmehr darauf zurückzuführen ist, daſs die genannten Futtermittel, welche reich an Spaltpilzen sind, die Stallluft mit diesen stark inficiren, und daſs nun aus der Stallluft beim Melken die Pilze in die Milch gelangen und die geringere Haltbarkeit derselben verursachen. Aehnlich dürfte es sich nach Weiske's Ansicht bezüglich des Geruchs und Geschmacks der Milch verhalten, denn wenn auch manche Futtermittel sehr beträchtliche Mengen von Säuren, darunter auch übelriechende, flüchtige Fettsäuren, enthalten (z.B. die gesäuerten Diffusionsrückstände nach Untersuchungen des Referenten bis zu einem Drittel der Trockensubstanz auf Milchsäure berechnet), so ist doch anzunehmen, daſs unter normalen Verhältnissen diese Säuren im Thierkörper verbrannt werden und nichts davon in die Milch gelangt. Diese Annahme fand Weiske durch einen Versuch bestätigt. Er gab einer Ziege täglich 1g Buttersäure unter den nöthigen Vorsichtsmaſsregeln, so daſs nichts von dem Buttersäuregeruche in die Stallluft gelangen konnte. Der Geruch und Geschmack der Milch blieb vollständig rein und frei von Buttersäure. Auch die chemische Prüfung