Text-Bild-Ansicht Band 273

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Die Farbenreactionen werden am besten in einer kleinen weiſsen Porzellanschale gemacht.

1) Eine Probe desselben verdünnt man mit viel Wasser und beobachtet, ob sich obenauf ölige Tropfen ansammeln. Ist dies der Fall, so prüft man dieselben nach obiger Vorschrift auf Acetal mit concentrirter Schwefelsäure und Kalilauge (Acroleïngeruch) und auf Amylalkohol mit concentrirter Salzsäure und Anilinöl. Eine weitere Probe prüft man auf Aldehyd mit Jodkalium und saurer schwefligsaurer Natriumfuchsinlösung (Spuren von Aldehyd enthält jeder Spiritus).

2) Scheiden sich keine Tropfen ab, so prüft man

a) wie oben auf Aldehyd,

b) eine weitere Probe verdünnt man mit 2 Th. Wasser, schüttelt mit etwas Chloroform, trennt dasselbe, läſst bei gelinder Temperatur verdunsten und prüft den etwa bleibenden Rückstand wie oben auf Acetal und Amylalkohol. Auch die spanische Prüfung des Spiritus, nur mit concentrirter Schwefelsäure und Kalilauge, ist nach Ansicht des Verfassers recht gut und genügt für die meisten Fälle, denn wenn beide Lösungen für sich den Spiritus nicht färben, so enthält derselbe obige 3 Stoffe entweder gar nicht oder nur in ganz geringen Spuren.

In derselben Zeitschrift, 1889 S. 26 (auch Zeitschrift für angewandte Chemie, 1889 S. 112) empfiehlt J. Traube zur Untersuchung des Spiritus das Geiſsler'sche Vaporimeter. Setzt man die vaporimetrische Quecksilberhöhe = 0, so ergaben sich folgende Höhen:

Concentration 50 Volumprocent.

Sprit rein
mit 0,25 Volumproc. Aldehyd + 16,2
0,25 Kartoffelfuselöl – 2,1
0,25 Kornfuselöl – 1,7
0,25 Maisfuselöl – 1,1
0,25 Isoamylalkohol – 2,5

Concentration 10 Volumprocent.

Sprit rein
mit 0,05 Volumproc. Aldehyd + 6,0
0,05 Kartoffelfuselöl – 0,5
0,05 Kornfuselöl – 0,5
0,05 Maisfuselöl – 0,0
0,05 Isoamylalkohol – 0,6

VIII. Allgemeines und Theoretisches.

Ueber das Verhalten der Stärke beim Erhitzen mit Wasser und über die Kleisterbildung einiger Stärkesorten hat C. J. Lintner Untersuchungen ausgeführt (Zeitschrift für Spiritusindustrie, Bd. 12 S. 91, daselbst nach Brauer- und Mälzer-Kalender). Bekanntlich sind die Temperaturen, bei welchen die verschiedenen Stärkesorten verkleistern, sehr verschieden. Die hierüber vielfach gemachten Angaben entsprechen jedoch nicht völlig; den thatsächlichen Verhältnissen; namentlich gilt dieses für die Stärke der Getreidearten, für welche die angeführten Werthe durchweg zu niedrig sind und mit vielen neueren Beobachtungen nicht übereinstimmen.