Text-Bild-Ansicht Band 273

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dem Verschwinden derselben die Diastase ihre verzuckernde Wirkung gegenüber den Dextrinen wieder erlangt. Lindet glaubt somit, Payen's Theorie bestätigen zu können.“ Für die Ansicht Lindet's dürfte auch die bekannte Erfahrung sprechen, daſs es in Dickmaischen niemals gelingt, mehr als 80 Proc. Maltose zu erzeugen, während in dünnen Maischen, also in verdünnten Lösungen, wie sie z.B. Cuisinier für sein Verfahren anwendet, es sehr wohl möglich ist, fast die ganze Menge der Kohlehydrate in Maltose umzuwandeln, jedenfalls, weil in diesen verdünnten Lösungen die hemmende Wirkung auf die Diastase durch den gebildeten Zucker eine nur geringe ist. (Der Ref. vgl. über diese Frage auch unser Referat üher die Untersuchungen von Müller-Turgau, 1887 265 224 und ebendaselbst S. 465 über die Arbeit von Porion.)

Ein Verfahren zur Umwandlung der Stärke durch Malz zu Maltose bezieh. Maltose-Dextrin ist Paul Degener in Berlin patentirt (D. R. P. Nr. 46110 vom 1. Juni 1887). Die Umwandlung geschieht in der Weise, daſs man die Stärke nicht mit Wasser, sondern mit einer mehr oder weniger concentrirten Lösung bereits verzuckerter Stärke verkleistert und danach durch Malz oder Malzaufguſs invertirt.

Kohlehydrate als Oxydationsproducte der Eiweiſsstoffe. In einer Abhandlung in den Berichten der deutschen botanischen Gesellschaft, Bd. 7 S. 126, kommt W. Palladin auf Grund eigener Untersuchungen wie Beobachtungen anderer Forscher zu dem Schluſs, daſs auſser durch den Assimilationsprozeſs auch durch unvollständige Oxydation der Eiweiſsstoffe Kohlehydrate in der Pflanze gebildet werden.

α-Acrose, eine neue Zuckerart, haben E. Fischer und T. Tafel synthethisch dargestellt (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1889 S. 97). Die α-Acrose ist die erste künstliche Zuckerart der Hexanreihe, welche mit Hefe gährt. Sie liefert alle charakteristischen Reactionen der natürlichen Zuckerarten, wie Dextrose, Lävulose und Galactose und unterscheidet sich von diesen nur durch die optische Inactivität. Denselben Körper erhielten E. Fischer und Passmore (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1889 S. 359) aus dem zuckerähnlichen Product (Formose), welches Loew (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1889 S. 470. 482) durch Condensation des Formaldehyds erhalten hatte und welches sich als Gemisch von drei verschiedenen Aldehyd- bezieh. Keton-Alkoholen erwies. Loew beschreibt in der angeführten Arbeit auch das Verfahren, um durch Condensation des Formaldehyds die gröſste Menge gährungsfähigen Zuckers zu erhalten. Dieser gährungsfähige Zucker ist der Lävulose ähnlicher als der Dextrose. Loew nennt ihn Methose.

Untersuchungen über Mannose haben E. Fischer und J. Hirschberger ausgeführt (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, Bd. 22 S. 365). Danach ist die Mannose ein Oxydationsproduct des Mannits, also der Aldehyd des Mannits, und besitzt dieselbe Constitution wie die Dextrose.