Text-Bild-Ansicht Band 273

Bild:
<< vorherige Seite

momentan mit so bedeutender Lichtentwickelung, daſs man Photographien von Porträts, Gruppen, Interieurs u.s.w. herstellen kann. Diese Vorrichtungen wurden besonders durch Prof. Schirm (Breslau) verbessert, welcher das Magnesiumpulver nicht quer, sondern in der Längsrichtung der Flamme durch eine ringförmige Weingeistflamme mit Hilfe eines Kautschukballons bläst. Man kann mit kleinen Verbindungsröhren und Kautschukschläuchen auch zwei oder mehrere Lampen verbinden und mit einem Drucke des Ballons mehrere Magnesiumblitzlampen zugleich zur Wirkung bringen. Diese von Meyer in Breslau (Paulstraſse 20) in den Handel gesetzten Lampen bewährten sich gut. Auſserdem wurden später verschiedene Anordnungen auf ähnlicher Grundlage getroffen (Eder's Jahrbuch für Photographie für 1889, S. 373. Mit Figuren).

Die Photographie bei Magnesiumblitzlicht fand bereits zahlreiche Anwendung nicht nur von Photographen, welche Interieurs oder Gruppen bei Nacht oder Porträts bei Bällen aufnahmen, sondern auch von Aerzten zur Aufnahme von anatomischen Präparaten, von Vorgängen in Krankenhäusern u.s.w., wie solche z.B. in der Lehr- und Versuchsanstalt für Photographie ausgestellt waren. Es ist bemerkenswerth, daſs die Photographien bei geschickter Anbringung von weiſsen Reflectoren sowie Scheiben von transparentem Papier (um die Grellheit des direkt auffallenden Lichtes zu mildern) an künstlerischem Werthe den Tagesaufnahmen vollkommen ebenbürtig sind.

Eine eigenthümliche Form von orthochromatischem Blitzlichte empfiehlt Newcomb (Phot. Times, Bd. 19 S. 247. Phot. Archiv, 1889 S. 212), welcher auf 1 Th. Magnesiumpulver 5 bis 7 Th. reines trockenes Natriumnitrat mit Hilfe eines Hornspatels mischt und anzündet (mittels eines langen Zünders), um ein gelb brennendes Blitzlicht zu erhalten. Gegen dieses sind orthochromatische Platten sehr empfindlich und es hat denselben Effect wie eine Gelbscheibe bei der Aufnahme. Es soll hierbei ein reiches Detail in den dunklen Tönen des Bildes, sowie eine sehr gute Farbenwirkung auf orthochromatischen Platten erhalten werden. Newcomb hat auf diese Weise in einem groſsen Theater in New York den Zuschauerraum photographirt und ein gut durchgearbeitetes Negativ erhalten.

Auch gewöhnliche bengalische Feuer liefern so viel aclinisches Licht, daſs man Photographien herstellen kann. Boissonas in Genf stellt photographische Aufnahmen des Genfer Sees bei bengalischer Beleuchtung her und zwar bei rothem, als grünem Lichte. Die auffallende Erscheinung, daſs bei rothem bengalischen Lichte gute Photographien erhalten wurden, erklärt sich jedenfalls daraus, daſs Strontiumsalze benutzt wurden, in deren Licht viel Blau enthalten ist.

Photographie leuchtender Käfer und Bakterien.

Mit Hilfe empfindlicher Trockenplatten gelang es, die leuchtenden Bakterien zu photographiren, welche das Leuchten der Seefische bewirken