Text-Bild-Ansicht Band 273

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abgegebenen Erklärung in folgender Betrachtung: Von Brom- bezieh. Chlorverbindungen ist keine Emulsion völlig zu befreien, vielleicht auch dann nicht, wenn man zuletzt anhaltend mit destillirtem Wasser wäscht. Unter Umständen genügt schon der Chlorgehalt des in der gewaschenen Emulsion zurückgehaltenen Wassers, um die Silberverbindungen umzuwandeln. Nach Zettnow hat man in allen Fällen bei Gelatineemulsionen die schlieſsliche Wirkung nicht der Silberverbindung zu verdanken, sondern dem freien Erythrosin; versetzt man absichtlich Erythrosinemulsion mit so viel einer löslichen Silberverbindung, daſs dieselbe vorherrscht, oder badet man eine Platte in einem Gemische von Erythrosin und mehr Silbersalz, als zur Zersetzung des Bromkaliums in der Platte noch nothwendig ist, so erhält man je nach der Menge des leicht reducirbaren Silbersalzes schwachen oder starken dichroitischen Rothschleier.

3) Die Eosine und die wässerigen Lösungen ihrer reinen Silberverbindungen zeigen dasselbe Spectrum, dagegen die festen Silberverbindungen ein anderes; besonders auffallend ist der Unterschied bei Rose bengalsilber.

4) Die neuen „Eosinsilberplatten“ des Handels verhalten sich genau so, wie mit Erythrosin gefärbte Emulsion, und dieselben verdanken in Wirklichkeit diesem Farbstoffe bezieh. seiner Silberverbindung ihre orthochromatische Wirksamkeit.

Wie zuerst V. Schumann mittheilte, ist eine mit Cyanin gefärbte Emulsion besonders gut empfindlich für Gelb und Orange, wenn sie auf die Platten gegossen, getrocknet und dann mit Ammoniak gebadet wird. Die Emulsion darf kein Jod enthalten; gut wirkt Eder's Silberammoniakemulsion, welche bei 40 bis 44° C. gemischt und dann auf je 100cc Emulsion mit 50 Tropfen alkoholischer Cyaninlösung 1 : 500 versetzt wird. Man digerirt 1 Stunde bei 40 bis 37° C., gieſst in eine Schale, läſst mehrere Stunden erstarren und wäscht im flieſsenden Wasser. Kurz vor dem Begieſsen der Platten wird der Emulsion 5 Proc. Alkohol zugesetzt. Diese Emulsion ist wenig empfindlich; die Platte hat eine relativ bessere Rothempfindlichkeit, aber wenig Gelbempfindlichkeit, und die Negative sind dünn. Das Verhalten ändert sich vollständig, wenn man die Platten mit Ammoniak badet, z.B. in 100cc destillirtem Wasser und ½ bis 6cc Ammoniak und dann nochmals trocknet. Die Empfindlichkeit steigt dadurch bedeutend (Photographische Rundschau, 1889 S. 143).

Burback photographirte den infrarothen Theil des Sonnenspectrums mittels des Rowland-Gitters und Cyaninplatten von der Fraunhofer'schen Linie A bis Wellenlänge 9900. Er erhielt 52 Linien mit 7100 bis 8000, während Abney nur 24 Linien erhalten hatte. Die Färbung der Platten wurde folgendermaſsen hergestellt: 15g Cyanin, 480g Chloralhydrat, 2l Wasser wurden ¾ Stunden erwärmt, 480cc Ammoniak zugesetzt, worauf unter Aufschäumen (Entweichen von Chloroform) sich Cyanin niederschlägt,