Text-Bild-Ansicht Band 273

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Tiemann'schen Modification des Schlösing'schen Verfahrens bestimmt, das Ammoniak durch Ausfällen desselben mit Neſsler'schem Reagenz und Feststellung des Quecksilbers im abgeschiedenen Niederschlage (Fleck).

Zur Bestimmung der Alkalien wurde der geglühte Gesammtrückstand verwendet, die Niehtalkalien durch Barytwasser (unter thunlichster Vermeidung des Ueberschusses) und Ammoniumcarbonat gefällt, die Summen der Chloralkalien gewogen und diese dann mit Platinchlorid getrennt. Chlor, Schwefelsäure und Kalk sind nach den üblichen Methoden ermittelt. Bemerkt sei übrigens, daſs in sämmtlichen Wasserproben diejenigen Bestandtheile, welche einer Zerstörung oder Aenderung unterworfen sein konnten, wie Schwefelsäure, Ammoniak, Salpetersäure und organische Substanz, so rasch als möglich (innerhalb 14 Tagen) nach dem Eintreffen der Proben bestimmt wurden. Ob bei den stark verunreinigten Wässern 3, 4 und 5 nicht, ehe dieselben untersucht werden konnten, schon Reductionsvorgänge eingetreten sein können, ob also die analysirte Wasserprobe von diesen drei Schöpfstellen wirklich ein getreues Bild des im Fluſslaufe befindlichen Wassers bietet, muſs dahingestellt bleiben. Die erhaltenen Resultate sind in folgender Tabelle niedergelegt (vgl. S. 426 und 427):

Aus den erhaltenen Versuchsergebnissen kann man erkennen, daſs die Spreequellen zunächst ein sehr gutes, zu Genuſs- und Haushaltungszwecken brauchbares Wasser liefern. Dasselbe wird jedoch nach kurzem Laufe durch die Abwässer der groſsen Gersdorfer Fabriken in hohem Grade verunreinigt, so daſs seine Benutzung zu irgend einem Zwecke ausgeschlossen erscheint. Lassen sich doch in dem suspendirten Schlamme dieses Wassers Stärkekörner mikroskopisch und chemisch, Kupfer (16mg Kupferoxyd im Schlamme eines Liters), ferner Zinn, Eisen und Thonerde nachweisen, dazu der stark hervortretende Geruch nach Schwefelwasserstoff. Kein Wunder, wenn in solchem Wasser kein Thier und keine Pflanze fortzukommen vermag. Wohl haben die Gersdorfer Fabriken Anlagen für Reinigung ihrer Abwässer, doch können dieselben nur sehr unvollkommen functioniren. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, daſs die Fabriken in Gersdorf zu einer Zeit entstanden sind, wo niemand an Fluſsverunreinigung und deren Hintanhaltung dachte. Weiter liegen diese Fabriken auf verhältniſsmäſsig engem Raume zusammen, verfügen über ein nur geringes Wasserquantum, müssen also das zur Verfügung stehende Wasser nach Möglichkeit ausnutzen und mit den unvermeidlichen Abfallstoffen stark beladen. Andererseits erscheint nach den Erfahrungen, die man anderwärts gemacht hat, eine entsprechende Reinigung des Wassers durchaus nicht unmöglich. Wenigstens als wünschenswerth muſs die Entfernung der schweren Metalle und der groſsen Mengen Schwefelsäure gefordert werden, um so mehr als sich diese Entfernung durch eine einfache Kalkreinigung bewirken lieſse. Als Bach mit miſsfarbenem Wasser von üblem Geruch durchläuft die Spree die Strecke