Text-Bild-Ansicht Band 273

Bild:
<< vorherige Seite

von Gersdorf bis Ebersbach, stellenweise die Landesgrenze gegen Oesterreich bildend. In Ebersbach vor der Wünsche'schen Fabrik sind diejenigen Verunreinigungen, welche in Gersdorf zugetreten waren, theilweise als Schlamm niedergesunken.1) Durch das groſsartige Etablissement von Wünsche, das allein an 3000 Weber beschäftigt, werden dem Wasser der Spree nicht nur keine weiteren Verunreinigungen mehr zugeführt, sondern die vorzüglich functionirenden Wasserreinigungsanlagen daselbst gestatten sogar, das Wasser erheblich reiner zu entlassen, als wie es in die Fabrik eintrat. Früher war dort das Hulwa'sche Verfahren eingeführt und arbeitete zur Zufriedenheit des Besitzers, die jetzigen Erfolge sind durch einfache Kalkreinigung erreicht. Besonders hervortretend ist der Rückgang der suspendirten Stoffe und der Schwefelsäure. Ein Vergleich zwischen dem hinter der Wünsche'schen Fabrik und dem vor Neusalza geschöpften Wasser bietet ein Beispiel, wie verhältniſs-mäſsig rasch die Selbstreinigung – Selbstentmischung – eines stark verunreinigten Fluſslaufes sich vollzieht. Die direkte Entfernung zwischen Schöpfstelle 5 und 6 beträgt wenig über 4km, die vielfach gewundene Spree mag wohl über die doppelte Strecke zurücklegen. Während dieses Laufes verliert das Wasser einen groſsen Theil seiner suspendirten und gelösten verunreinigenden Stoffe; die Farbe des Wassers, welche noch bei Ebersbach im Fluſsbette tief schwarz erscheint, wird heller und durchsichtig, die durch industrielle Anlagen hervorgerufenen Verunreinigungen treten zurück und die aus menschlichen Wohnungen herrührenden putriden Abfallstoffe beginnen vorzuherrschen. Den Charakter putrider Verunreinigung bewahrt nunmehr das Wasser der Spree bis zum Verlassen des sächsischen Gebietes. Die kleine Stadt Neusalza mit anliegendem Friedersdorf ändert die Zusammensetzung der Mineralbestandtheile des Wassers nur wenig, und die geringe Erhöhung, welche der Chlor-, Schwefelsäure- und Kalkgehalt erfährt, darf wohl auf Rechnung der in Neusalza dicht bei der 7. Schöpfstelle gelegenen groſsen Bleicherei gesetzt werden. Das groſse Kirchdorf Postwitz übt einen nachtheiligen Einfluſs auf die Spree nicht aus und dasselbe läſst sich von der Spinnerei Heinitz und den bei Singwitz, Schlungwitz und Doberschau-Grubschütz gelegenen Papierfabriken sagen. Die Fabrik in Schlungwitz verarbeitet Stroh auf Papiermasse, und gerade diese Strohstofffabriken stehen allgemein im Rufe, die ärgsten Verunreiniger der Fluſsläufe zu sein.

Wenn nun durch vorliegende Untersuchungen eine Verschlechterung des Spreewassers seitens der Schlungwitzer Strohstofffabrik nicht hat constatirt werden können, so ist dies ein Beweis, daſs die dortigen Wasserreinigungs- und Kläranlagen gut functioniren. Zudem arbeitet die Fabrik

1)

Schwere Metalle lassen sich weder im Wasser selbst, noch in den darin suspendirten Stoffen mehr nachweisen.