Text-Bild-Ansicht Band 273

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nach einem Verfahren (Sulfat), welches nur geringe Mengen wenig verunreinigten Abwassers liefert. Die Schöpfstelle 14 (Schüler-Weinberg) constatirt die Zusammensetzung des Spreewassers kurz vor Bautzen. Die in letzterer Stadt geschöpften Wasserproben lassen stromabwärts eine, wenn auch nur geringe Steigerung von Salpetersäure und Ammoniak erkennen. Auffällig ist die Vermehrung des Gesammtrückstandes in den an der Brücke zum heiligen Geist und an der Wasserkunst entnommenen Wässern; diese Vermehrung ist besonders auf Steigerung des Natrongehaltes zu setzen. Zur Erklärung mag die Bemerkung dienen, daſs gerade zwischen jenen Orten eine ganze Anzahl viel benutzter Wäscheschweifen sich befinden. Wie es nun kommen mag, daſs der Gehalt an Gesammtrückstand bezieh. an Natron bei der Schöpfstelle Seidau wieder auf den Gehalt etwa gesunken ist, welchen das Spreewasser vor Eintritt in die Stadt zeigte, weiſs ich nicht zu erklären, denn besondere wasserreiche Zuflüsse sind auf dieser Fluſsstrecke nicht zu verzeichnen. Auch die Papierfabrik in Seidau und die Gasanstalt der Stadt Bautzen verunreinigen das Spreewasser nicht wesentlich, überhaupt zeigt sich die auch schon anderwärts beobachtete Erscheinung, daſs die Effluvien einer immerhin volkreichen Stadt (Bautzen hat zuzüglich Seidau eine Einwohnerzahl von etwa 22000) mit mancherlei industriellen Anlagen keine erhebliche Abänderung in der Zusammensetzung des Wassers eines selbst geringe Wassermengen führenden Fluſslaufes hervorrufen. Bis Nimschütz, etwa 3km,5 von Bautzen entfernt, ist eine entsprechende Klärung und Selbstentmischung des Spreewassers eingetreten, bei Klix aber zeigt sich wiederum eine Zunahme des Gesammtrückstandes und des Chlorgehaltes. In Folge flicht ausreichender Probemenge konnte die Analyse dieses Wassers nicht in demselben Umfange wie bei den übrigen Proben durchgeführt werden. Zur Erklärung der Zunahme der Verunreinigungen im Klixer Wasser mag die Bemerkung dienen, daſs die Spree das ganze Kirchdorf durchflieſst, daſs einzelne Wirthschaften daselbst dicht an den Fluſs herantreten, daſs die Ufer sehr flach sind, weshalb das Wasser bei nur irgend gesteigerter Fluth aus dem Bett auf die umliegenden Wiesen übertritt, jedoch seinen Rücklauf ins Fluſsbett nimmt, sobald dort die Wassermenge abnimmt. Zur Zeit der Probeentnahme war, wie bemerkt, das Wasser der Spree im Rückgange.

Muſs nach vorstehenden Untersuchungen das Wasser der Spree in der That als ein verunreinigtes bezeichnet und kann den eingangs erwähnten Klagen über die Verunreinigung eine Berechtigung nicht abgesprochen werden, so muſs doch auch constatirt werden, daſs die Verunreinigung besonders durch industrielle Anlagen vor wenigen Jahren eine bedeutendere gewesen ist als heute. So wenigstens versichern übereinstimmend glaubhafte Leute, die darüber ein Urtheil wohl haben können. Also eine Wendung zum Besseren ist schon eingetreten und