Text-Bild-Ansicht Band 273

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künstlicher Portland-Cement, erwies sich anfangs als schwach, hatte aber nach 84 Tagen die Zugfestigkeit 22k/qc. Nach etwa 1½ Jahren begann ein an der Luft gelassener Würfel abzusondern.

Ein nach 3 monatlicher Luftlagerung treibender Cement hat folgende Zusammensetzung: SiO2 21,85 Proc., Al2O3 7,20, Fe2O3 2,82, CaO 60,42, MgO 0,83, CaSO4 1,93, CaCO3 1,34, H2O 2,13 Proc. – Nach 3 monatlicher Lagerung im Sack zeigte derselbe Cement die Zusammensetzung: SiO2 21,47, Al2O3 6,97, Fe2O3 2,73, CaO 54,93, MgO 0,81, CaSO4 1,85, CaCO3 7,52, H2O 2,66 Proc. Der Cement war also degenerirt; aus solchem degenerirten Cemente angefertigte Platten erwiesen sich volumbeständig. Unter Wasser zeigte auch der nicht degenerirte Cement normales Verhalten.

Die über das Lufttreiben angebahnten Nachforschungen haben übereinstimmend dargethan, daſs der Grund der Erscheinungen nicht in der chemischen Zusammensetzung, sondern in der unvollkommenen Aufbereitung des Rohmaterials, in der ungenügenden Homogenität, der ungenügend innigen Mischung der Rohmaterialien, verbunden mit unvollkommener Aufschlieſsung des Silicats im Feuer zu suchen ist, wodurch Producte entstehen, die in ihrem Verhalten mit den thonerdereichen, kalkarmen Portland-Cementen manche Aehnlichkeit besitzen. – Macht man das Mehl solcher Cemente mit Wasser an, so tritt eine Dissociation der im Feuer gebildeten Verbindungen ein, wobei sich wahrscheinlich labile Hydrosilicate und Kalkaluminate bilden, die, wie Le Chatelier zeigte, schon bei einer relativ niedrigen Temperatur einen Theil ihres Wassergehaltes verlieren, zerfallen und durch Hinzutritt der Kohlensäure möglicher Weise auch zersetzt werden können. Unter Wasser sind derartige Verbindungen ganz beständig. Aber auch der freie Aetzkalk übt innerhalb gewisser Grenzen keinen schädlichen Einfluſs auf die Wassererhärtung; im Gegentheil, die nur allmählich und unter gleichmäſsigem Gedeihen sich löschenden todtgebrannten Aetzkalkpartikelchen werden zunächst eine intermolekulare Verdichtung der colloidalen Stoffe des Bindemittels bewirken und dadurch nicht unwesentlich zur Verfestigung desselben beitragen. Solche Cemente sind unter Wasser gewöhnlich steinhart und erlangen eine ungewöhnliche Festigkeit. Nur wenn der Gehalt an freiem Aetzkalk gewisse Grenzen überschreitet, treten in der in Versteinerung begriffenen Cementmasse Spannungen auf, die, und zwar je nach Umständen, schon nach wenigen Tagen der Wasserlagerung die gefürchteten Treibschäden echter Kalktreiber erzeugen. (Ausgeruhte, d.h. degenerirte Cemente sind meist sehr kräftige Mörtelbildner; bei ihrer Verwendung ist aber Vorsicht geboten.) Aehnliche Wirkungen kann auch die freie Magnesia hervorrufen, nur löschen sich todtgebrannte Magnesiatheilchen langsamer als die todtgebrannten Kalktheilchen. – Die Lufttreiber werden, mit Wasser angemacht, tadellos erhärten. Ihre Grundmasse verliert indessen nach