Text-Bild-Ansicht Band 273

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Defecte, selbst wenn der gelieferte Cement nachweislich ein guter war. Nach F. Kawalewski ist an diesen Uebelständen nicht immer der Cement, sondern häufig die zur Verzierung der Platte zugesetzte Farbe schuld. Schädliche Einflüsse der Farbenzusätze bei der Cementplattenfabrikation können z.B. hervorgerufen werden durch einen nicht unbeträchtlichen Schwefelsäuregehalt der Farbe. Verfasser fand in einer rothen Farbe, die bis zu 17 Proc. dem Plattensatze zugesetzt wurde, 22 Proc. Schwefelsäure. Die damit hergestellten Platten waren bald unbrauchbar geworden, wodurch der Fabrik ein groſser Schaden entstand. Der verwendete Cement, dem ursprünglich die Schuld an dem Verderbnisse beigemessen wurde, war von vorzüglicher Qualität und bestand alle damit angestellten Proben. Die Treibschäden sind auf die Bildung von Gyps zurückzuführen.

Verfasser theilt hierauf seine langjährigen Erfahrungen über Gypstreiben mit. Das Gypstreiben äuſsert sich anders als das Kalktreiben. Der starke Gypstreiber ist im Entstehen dem unschädlichen ganz gleich. Nach einigen Tagen Wasserlagerung bildet sich ein Netz von Haarrissen, das aber nicht, wie beim Kalktreiber, an der scharfen Kante seinen Anfang nimmt. Der unschädliche Gypstreiber hat ganz feine Risse, die häufig erst kenntlich werden, wenn man die heiſs getrocknete Platte in Wasser taucht. Nach dem Verdunsten des Wassers kommen die Risse zum Vorscheine. Solche Proben mit feinem Haarnetze sind im Kerne gesund und können hohe Festigkeit aufweisen. Bei den Normenproben (1 Cement : 3 Sand) treten diese Erscheinungen nicht auf. Zur Unterscheidung der Kalktreiber von Gypstreibern kocht oder glüht man die Proben je nach dem Alter derselben eine Zeitlang. Lag ein Kalktreiben vor, so wird auch der innere, gesunde Theil mürbe, war es ein Gypstreiben, so wird der Kern vollständig gesund erhalten bleiben. Solche Proben sind nothwendig für diejenigen, welche Schwefelsäurebestimmungen nicht ausführen können, wie die meisten Plattenfabrikanten.

Die schädlichen Wirkungen stark magnesiahaltiger Cemente sind mehrmals Gegenstand eingehender Erörterungen geworden. In den Comptes rendues de l'Académie des Sciences vom Jahre 1886 theilt Lechartier mit, daſs bei einer Anzahl von Cementarbeiten sehr spät eingetretenes Treiben seinen Grund in einem hohen Magnesiagehalte des scharf gebrannten Cementes gehabt habe. Die betreffenden Cemente dehnten sich bei sehr groſser Härte später so stark aus, daſs u.a. starke Granitsteine gesprengt wurden. Die Zerstörung von drei im westlichen Frankreich ausgeführten Eisenbahnbrücken, zu welchen Cement aus derselben Fabrik verwendet wurde, ist ebenfalls auf den hohen Magnesiagehalt zurückzuführen; das Dehnen und Treiben wurde erst nach Jahresfrist beobachtet (Thonindustrie-Zeitung, Bd. 10 Nr. 44). Die Analysen ergaben einen Gehalt von 16 bis 28 Proc. MgO.